Ein elitärer Club der Länder des Nordens?
Andreas Zumach
UN-Generalsekretär Kofi Annan erntet zunehmend Widerspruch für seinen Vorschlag, die
unglaubwürdig gewordene UN-Menschenrechtskommission durch einen verkleinerten
"Menschenrechtsrat" zu ersetzen. Auch Deutschland ist dagegen.
UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat gestern vor der UNO- Menschenrechtskommission (MRK)
in Genf seinen vor zwei Wochen präsentierten Vorschlag bekräftigt, dieses Gremium durch
einen knapp halb so großen "Menschenrechtsrat" zu ersetzen. Die
"schwindende Glaubwürdigkeit der MRK" werfe "einen Schatten auf das
gesamte System der Vereinten Nationen", erklärte Annan. Die 53 Mitglieder der MRK
werden bislang von den Regionalgruppen der UNO-Generalversammlung für jeweils drei Jahre
bestimmt. Nach Einschätzung von Human Rights Watch und anderen
Menschenrechtsorganisationen haben sich "über die Hälfte der derzeitigen
MRK-Mitglieder nicht in das Gremium wählen lassen, um die Durchsetzung der Menschenrechte
zu fördern, sondern um Kritik an eigenen Menschenrechtsverstößen zu verhindern".
Der von Annan vorgeschlagene Menschenrechtsrat soll 24 Mitglieder haben, die mit
Zweidrittelmehrheit direkt von der Generalversammlung gewählt werden. Der Vorschlag
stößt allerdings auf deutlichen Widerspruch bei Regierungen,
Menschenrechtsorganisationen sowie unabhängigen Menschenrechtsexperten der UNO. Die
rot-grüne Koalition in Berlin und einige andere EU-Regierungen lehnen den
Menschenrechtsrat ab und unterstützten das gegenteilige Modell einer
"Universalisierung" der MRK, das eine von Annan eingesetzte Expertenkommission
im letzten Dezember präsentiert hatte. Nach diesem Modell würden alle 191
Mitgliedstaaten der Generalversammlung zugleich auch der MRK angehören. Nur dieses Modell
der Universalisierung gewährleiste, dass kein Staat, der künftig wegen
Menschenrechtsverstößen kritisiert wird, diese Kritik mit dem Argument zurückweisen
könne, er sei bei den Diskussionen nicht beteiligt gewesen, erklärte der Leiter der
deutschen MRK-Delegation und Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Tom Koenigs.
Human Rights Watch, amnesty international und andere Menschenrechtsorganisationen
halten das Universalisierungsmodell allerdings für "völlig ungeeignet". Sie
plädieren dafür, die Mitgliedschaft im UNO-Menschenrechtsgremium künftig davon
abhängig zu machen, ob ein Staat die wichtigsten UNO-Menschenrechtskonventionen
unterschrieben und ratifiziert hat und sie auch umsetzt.
Gegen derartige inhaltliche Kriterien sowie gegen Annans Vorschlag für einen
Menschenrechtsrat mit nur 24 Mitgliedern hat sich der Sonderbeauftragte der MRK für das
Recht auf Ernährung, Jean Ziegler, ausgesprochen. "Diese beiden Vorschläge laufen
darauf hinaus, aus der MRK einen elitären Club der Demokratien des Nordens zu
machen", erklärte Ziegler letzte Woche in Genf. Ähnliche Bedenken haben inzwischen
auch die Regierungen einiger Länder des Südens geäußert. Entscheidungen über eine
Reform der MRK oder ihren Ersatz durch einen Menschenrechtsrat sollen nach Vorstellung
Annans spätestens während der im September beginnenden Sitzungsperiode der
Generalversammlung fallen.
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