Wie praktisch, wenn die USA blockieren
UNO: Der Zwang zum Konsens ist oft nur eine Ausrede
Kommentar von Andreas Zumach
Der groß angekündigte, seit Jahren vorbereitete Reformgipfel der UNO kommende Woche
in New York droht zu scheitern. Dies liegt an zweierlei: dem Widerstand der Vereinigten
Staaten als dem mächtigsten UN-Mitglied gegen fast sämtliche Verpflichtungen in der
Gipfelerklärung, aber auch der mangelnden Bereitschaft und am fehlenden Mut der anderen
190 Mitgliedstaaten, sich über diesen Widerstand hinwegzusetzen. In dieser Situation hat
Generalsekretär Kofi Annan endlich einmal den angeblichen Zwang zum Konsens bei großen
UN-Konferenzen in Frage gestellt und die "Courage" der Mitgliedstaaten
eingefordert, Mehrheitsentscheidungen notfalls auch gegen die Stimme der USA zu fällen.
Es ist schon frappierend, wie stark nicht nur Regierungen, sondern auch mit der UNO
befasste Nichtregierungsorganisationen diesen Konsenszwang verinnerlicht haben, obwohl er
nirgendwo in den UN-Regularien festgeschrieben ist und auch nicht in den
Vorbereitungsdokumenten für den Reformgipfel. Zu Recht widerspricht der Generalsekretär
der - auch in Deutschland verbreiteten - Behauptung, die Umsetzung von UN-Beschlüssen,
die ohne Unterstützung der USA erfolgen, sei unmöglich. Viel zu häufig in der
Vergangenheit diente diese Behauptung anderen Ländern als bequemer Vorwand, eigene
Entscheidungen mit konkreten Handlungsverpflichtungen zu vermeiden.
Zudem sollte sich der "Rest der Welt" nicht durch das Macho-Gehabe von
Washingtons UN-Botschafter John Bolton beeindrucken und täuschen lassen. Nach dem
Desaster im Irak und der Hurrikankatastrophe in New Orleans besteht eine große Chance,
dass sich der gesellschaftliche Diskurs in den USA über die Klimaveränderung und über
andere auch auf dem UN-Gipfel relevante Themen ändert. Dadurch könnte der Druck auf die
Bush-Regierung wachsen, den Weg zu einer multilateralen Politik einzuschlagen. Konkrete
Beschlüsse des UN-Gipfels könnten diese Entwicklung nur fördern. Dann würde sich auch
zeigen, wer seine Reden ernst meint und wer nicht.
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