China und USA zusammen gegen G 4
Andreas Zumach
Im Gerangel um eine mögliche Erweiterung des UN-Sicherheitsrates haben sich jetzt
zwei der fünf ständigen Mitglieder öffentlich dagegen verbündet. Afrika will in erster
Linie eine permanente Ratsvertretung für alle fünf Regionen des Kontinents.
Während China und die USA in der Nacht zum Donnerstag erstmals offiziell ein
gemeinsames Vorgehen ankündigten zur Verhinderung ständiger Sitze im UNO-Sicherheitsrat
für Deutschland, Japan, Brasilien und Indien, bemühten sich Diplomaten dieser vier
Staaten (G 4) gestern bei einem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) in der
äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba erneut um die Unterstützung dieser größten
Regionalgruppe der UNO-Generalversammlung.
Chinas UNO-Botschafter Wang Guangya erklärte nach einem Treffen mit seinem gerade frisch
ernannten US-Amtskollegen John Bolton in New York, die Regierungen in Peking und
Washington hätten "ein gemeinsames Vorgehen" verabredet, um die erforderliche
Zweidrittelmehrheit der UNO-Generalversammlung für den Antrag der G 4 zur Erweiterung des
Sicherheitsrates zu verhindern. "Wir werden sicherstellen, dass die G 4 nicht
genügend Stimmen erhalten wird", erklärte der chinesische Botschafter. Sein
US-Amtskollege äußerte sich zunächst nicht.
Um für ihren Resolutionsantrag die erforderliche Zweidrittelmehrheit von 128 der191
UNO-Mitglieder zu erhalten, benötigt die G 4 nach eigener Kalkulation die Stimmen von
mindestens 35 der 53 Staaten der Afrikanischen Union. Die AU hat allerdings einen eigenen
Antrag eingebracht, der - im Unterschied zum G-4-Antrag - das sofortige und
uneingeschränkte Vetorecht für neue ständige Mitglieder des Sicherheitsrates fordert.
Außerdem verlangt die AU neben den im G-4-Antrag bereits für Afrika vorgesehenen zwei
ständigen und zwei nichtständigen einen weiteren nichtständigen Sitz für den
afrikanischen Kontinent.
Wie aus der nigerianischen Präsidentschaft der Afrikanischen Union gegenüber der taz
verlautete, gehe es der AU bei der Ratsreform "in erster Linie darum, dass künftig
alle fünf Regionen des Kontinents (West-,Ost-, Süd, Zentral und Magreb) dauerhaft im
höchsten UNO-Gremium vertreten sind - entweder mit einem ständigen oder mit einem
nichtständigen Sitz. Das Veto sei hingegen "nicht entscheidend für Afrika".
Diese Forderung sei nur eingebracht worden "als Verhandlungsmasse, um die
Repräsentanz der fünf Regionen durchzusetzen".
Ende Juli hatte eine Verhandlungsdelegation der AU unter Leitung der nigerianischen
Präsidentschaft mit den Außenministern der G 4 in London folgende Kompromissformulierung
für einen gemeinsamen Antrag entwickelt: es wird ein weiterer nichtständiger Sitz
verlangt, der allerdings nicht ausschließlich von Afrika besetzt wird, sondern in
Rotation mit Asien und Lateinamerika. Im Gegenzug verzichtet die AU auf das sofortige
Vetorecht und übernimmt den Vorschlag der G 4, wonach dieses Recht den neuen ständigen
Ratsmitgliedern zwar grundsätzlich zuerkannt wird, von ihnen aber erst nach einer in 15
Jahren vorgesehenen Überprüfung der jetzt anstehenden Ratsreform wahrgenommen wird.
Der Kompromiss von London sollte von dem gestern eröffneten AU-Gipfel abgesegnet werden,
zu dem bis zum Mittag Staats-und Regierungschefs und Außenminister aus 46 der 53
AU-Staaten in Addis Abeba eintrafen. Entschiedenen Widerstand gegen die Aufgabe der
Vetorechtsforderung hatten unter anderem Libyen, Algerien und Ägypten angekündigt.
|