Eine Frage des Maßstabs
Die Verantwortung für den UNO-Skandal tragen vor allem die USA
Andreas Zumach
Managementfehler, Verschwendung, Verstöße gegen eindeutige Regeln, schwer wiegende
Interessenverfilzung eines hohen UN-Funktionärs: Die Feststellungen der
Volcker-Kommission über die Missstände bei der Durchführung des UNO-Programms "Öl
für Nahrungsmittel" (ÖfN) sind gravierend. Die Maßnahmen, die Generalsekretär
Kofi Annan ergriffen und angekündigt hat, sind das Mindeste, was jetzt geschehen muss.
Schlimm wäre es, wenn die weiterlaufenden Ermittlungen der Kommission auch noch den
bislang nicht belegten Verdacht der persönlichen Bestechlichkeit und finanziellen
Vorteilsnahme einzelner UN-Funktionäre bestätigen sollte.
Der Bericht macht aber auch zwei weitere wichtige Tatsachen deutlich. Erstens: die
politische Verantwortung für die korrekte Durchführung des ÖfN-Programms lag nicht bei
Annan und seinen MitarbeiterInnen, sondern beim Sicherheitsrat. Dieses Gremium, in dem die
USA bei sämtlichen irakrelevanten Debatten und Entscheidungen die federführende Rolle
spielten, seit der Irak 1990 Kuwait überfallen hatte, hat diese Verantwortung nicht
wahrgenommen. Zweitens: So skandalös die Missstände bei der Durchführung des
ÖfN-Programms und sein Missbrauch durch Bagdad auch waren: Nimmt man die Summe zum
Maßstab, die dem Regime Saddam Husseins zugeflossen sind, dann ist der durch Bagdad
betriebene Ölschmuggel fast viermal so schwer wiegend.
Diese beiden Tatsachen wurden bislang vor allem in der öffentlichen Diskussion in den
USA von jenen systematisch unterschlagen, die das Thema "Öl für
Nahrungsmittel" seit Anfang letzten Jahres für eine Kampagne instrumentalisieren, um
die UNO und ihren Generalsekretär zu schwächen. Zumindest das Ziel der Schwächung des
Generalsekretärs hat diese Kampagne erreicht. Das zeigen seine Personalentscheidungen
seit Dezember, bei denen er zahlreiche Kritiker des Irakkrieges sowie der israelischen
Politik in den besetzten Gebieten ausgewechselt hat gegen Washington genehme, zum Teil
sogar von der Bush-Administration ausdrücklich erwünschte Personen.
|