UNO-Funktionäre belastet
Andreas Zumach
Der erste Untersuchungsbericht über die Abwicklung des UNO-Programms
"Öl für Nahrungsmittel" im Irak legt schwer wiegende
Managementfehler offen. Keine Kritik an Generalsekretär Kofi
Annan.
Bei der Durchführung des Programms "Öl für Nahrungsmittel"
(ÖfN) der UNO im Irak ist es zu "erheblichen Managementfehlern
gekommen", die zur Verschwendung vieler Millionen US-Dollar führten.
UNO-interne Regeln, die Fairness, Transparenz und zeitnahe Rechenschaftslegung
bei der Umsetzung von Programmen sicherstellen sollen, wurden "nicht
befolgt". Zu diesem Ergebnis kommt eine von UNO-Generalsekretär
Kofi Annan im vergangenen April berufene unabhängige Untersuchungskommission
unter Vorsitz des ehemaligen US-Notenbankchefs Paul Volcker in ihrem
am Donnerstag veröffentlichten ersten Bericht.
Der Bericht enthält keine Kritik an Annan selbst. Erheblich
belastet werden aber der ehemalige Leiter des für das ÖfN-Programm
zuständigen "Irak-Büros" in der New Yorker UNO-Zentrale,
Benon Sevan, sowie ein weiterer hoher UNO-Funktionär, Joseph
Stephanides, der beim Sicherheitsrat für die politische Kontrolle
des Programms zuständig war. Aussagen zu Kofi Annans Sohn Kojo,
der früher bei einer Genfer Inspektionsfirma angestellt war,
die im Auftrag der UNO die Abwicklung des ÖfN-Programms überwachte,
finden sich in dem Bericht nicht. Die Untersuchung der Rolle Kojo
Annans werde von der Kommission fortgesetzt, erklärte Volcker.
Das ÖfN-Programm wurde Mitte 1996 vom UNO-Sicherheitsrat etabliert,
um die Versorgung der unter UN-Wirtschaftssanktionen leidenden irakischen
Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen humanitären
Gütern zu verbessern. Unter dem bis zum Irakkrieg vom März
2003 laufenden Programm war es dem Regime Saddam Husseins erlaubt,
eine bis Mitte 1998 zunächst limitierte und danach unbegrenzte
Menge Öl zu verkaufen. Die Einnahmen - in knapp 7 Jahren rund
64 Milliarden US-Dollar - gingen auf ein UNO-Konto bei einer Pariser
Bank. Das Regime in Bagdad konnte bei Firmen im Ausland humanitäre
Güter bestellen. Nach Genehmigung durch den Sicherheitsrat wurden
diese in den Irak geliefert und aus dem Pariser UNO-Konto bezahlt.
Der Bericht kritisiert, dass der suspendierte Leiter des Irak-Büros
Sevan "nachweislich" persönlich an der Auswahl von
Firmen beteiligt war, die irakisches Öl kauften. Damit habe sich
Sevan in einen "schwer wiegenden Interessenkonflikt begeben"
und gegen "spezifische UN-Regeln verstoßen". Außerdem
habe er die "zentrale Verantwortung eines internationalen Beamten
nicht erfüllt, die höchsten Integritätsstandards einzuhalten".
Der Bericht kritisiert auch die "mangelnde Transparenz"
bei der Verwendung und Abrechnung der Verwaltungskosten des ÖfN-Programms
in Höhe von insgesamt 1 Milliarde Dollar, von denen rund 40 Prozent
in Sevans Büro anfielen. Dem ebenfalls suspendierten Stephanides
hält der Bericht vor, er habe nicht dafür gesorgt, dass
die vom Sicherheitsrat aufgestellten Bestimmungen für den Ölverkauf,
den Ankauf humanitärer Güter und für die Auswahl von
Inspektionsfirmen zur Überwachung der Abwicklung des ÖfN-Programms
im Irak "auch eingehalten" wurden. Aus über 50 internen
Kontrollberichten, die die Volcker-Kommission bereits im Dezember
veröffentlicht hatte, geht hervor, dass die drei von der UNO
beauftragten Inspektionsfirmen zahlreiche Fehler und Betrügereien
begangen haben.
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