Bestechung als Kavaliersdelikt
Korruption in der UNO - Bundesregierung deckt deutsche Firmen
Andreas Zumach
"Nicht strafbar", "territorial nicht zuständig", "dünne
Beweislage": die Ausflüchte und Verschleppungstaktiken, mit denen sich deutsche
Staatsanwaltschaften bislang um Ermittlungen gegen die 63 deutschen Firmen drücken, die
im Rahmen des UNO-Programms "Öl für Nahrungsmittel" im Irak illegale Zahlungen
an das Regime von Saddam Hussein leisteten, sind abenteuerlich. Sie erfüllen geradezu den
Tatbestand der Rechtsbeugung und der Strafvereitelung im Amt.
Gegen jeden einfachen Ladendieb wäre längst ein Strafverfahren eingeleitet, selbst bei
einer weit dünneren Beweislage, als sie die Volcker-Kommission in ihren über
einjährigen akribischen Recherchen zum korrupten Verhalten der deutschen Firmen sowie
weiterer 2.170 Unternehmen aus aller Welt zusammengetragen hat. Hätten die
Staatsanwaltschaften ihre bisherige Untätigkeit im Fall Irak mit der personellen
Unterbesetzung, mangelnden Finanzausstattung und daher völligen Überlastung ihrer für
Korruption zuständigen Abteilungen begründet, wäre das noch einigermaßen
nachzuvollziehen. So aber drängt sich der Eindruck auf, dass die Untätigkeit der
Ermittlungsbehörden Methode hat. Bestechung, Korruption und verwandte Praktiken gelten -
zumal wenn sie von Deutschen im fernen Ausland verübt werden - immer noch als
Kavaliersdelikt. Und das trotz der sowohl national als auch international eindeutigen
Rechtslage.
Die untätigen deutschen Ermittlungsbehörden können sich gedeckt fühlen durch eine
Bundesregierung, die diese Rechtslage öffentlich falsch darstellt und trotz frühzeitiger
Informationen durch die Volcker-Kommission nichts unternommen hat, um Vorermittlungen
gegen deutsche Unternehmen zu befördern. Auch das hat Methode. So existieren bekanntlich
Untersuchungsdokumente der UNO mit den Namen zahlreicher deutscher Unternehmen, die in den
80er- und 90er-Jahren zur Aufrüstung des Regimes Saddams beitrugen. Auf Drängen auch der
Bundesregierung werden sie in der New Yorker UNO-Zentrale bis heute unter Geheimverschluss
gehalten
|