Ein Generalsekretär unter Druck
Die Vorwürfe gegen Kofi Anans Sohn passen Washington ins Konzept
Andreas Zumach
Kofi Annan war schlecht beraten mit seiner bislang rein reaktiven Informationspolitik
zur Tätigkeit seines Sohnes Kojo bei der Genfer Firma Contecna.
Das ist der mindeste Vorwurf, den sich der UN-Generalsekretär
gefallen lassen muss. Wenn an dem ganzen Vorgang tatsächlich
"überhaupt nichts Illegales" ist und "keinerlei
Interessenkonflikte vorliegen", wie Annans Pressesprecher Fred
Eckhard beteuert - warum hat die UN-Zentrale dann nicht gleich im
Frühjahr, als die ersten Fragen, Verdächtigungen und Vorwürfe
laut wurden, sämtliche Informationen auf den Tisch gelegt?
Oder sollte Kojo Annan seinem Vater die fortgesetzten Geldzuwendungen
der Contecna tatsächlich bis letzte Woche verschwiegen haben?
Völlig auszuschließen ist das nicht - aber der Weltöffentlichkeit
glaubwürdig vermitteln könnte der Generalsekretär diese
Version wohl kaum noch. Wenn überhaupt, wird die UN-Zentrale
den Verdacht der Mauschelei oder gar Korruption nur noch aus der Welt
schaffen können, wenn sie auch eine überzeugende Erklärung
dafür liefert, warum sie den Vertrag nach der drastischen Kostenerhöhung
durch das Unternehmen nicht wieder gekündigt hat.
Gleichzeitig überrascht nicht, dass die intern in der Bush-Administration
schon seit Monaten bekannten Informationen über die Zahlungen
an Kojo Annan erst jetzt von einem dem US-Präsidenten treu verbundenen
Senator an die Öffentlichkeit lanciert wurden. Bis zur Wahl vom
2. November musste Bush damit rechnen, dass im Gegenzug Dokumente
öffentlich bekannt werden, die die Involvierung seines Bruders
in Korruption im Zusammenhang mit dem UN-Programm "Öl für
Nahrungsmittel" belegen. Jetzt, nach der gewonnenen Wahl, kann
ihm eine eventuelle Veröffentlichung dieser Dokumente kaum mehr
schaden.
Darüber hinaus mehren sich in Washington Stimmen, die darauf
drängen, Kofi Annan - dessen Amtszeit noch bis Ende 2006 läuft
- zum vorzeitigen Rücktritt zu bewegen. Der Grund: In Sachen
Irak verhalte sich der UNO-Generalsekretär "nicht kooperativ"
und sei "zum Problem" für die Bush-Administration geword
|