UN-Schminke für US-Besatzung
Andreas Zumach
USA und Großbritannien legen Weltsicherheitsrat neuen Entwurf einer UNO-Resolution
für Irak vor. Bisherige Besatzungstruppe soll multinationale Streitmacht unter
US-Kommando werden
Die USA und Großbritannien wollen auch nach der zum 30. Juni vorgesehenen
Machtübergabe an eine "souveräne" Übergangsregierung in Bagdad ihre derzeit
rund 140.000 Soldaten für mindestens weitere zwölf Monate im Irak belassen, dort
weiterhin die uneingeschränkte militärische Kontrolle ausüben und hierfür die
offizielle Billigung der UNO erhalten. Das sieht der Entwurf für eine neue Irakresolution
vor, den die USA und Großbritannien gestern in New York dem Sicherheitsrat
unterbreiteten.
Dem Entwurf zufolge, der der taz vorliegt, sollen die Besatzungstruppen zum 1. Juli in
"multinationale Streitmacht" umbenannt werden. Unter dem "einheitlichen
Kommando der USA" soll diese Streitmacht die "Autorität haben, alle
erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und
Stabilität im Irak beizutragen". Dazu gehören ausdrücklich "Maßnahmen zur
Bekämpfung des Terrorismus". Spätestens nach zwölf Monaten, "auf Wunsch"
der künftigen Übergangsregierung aber eventuell schon früher, soll der Sicherheitsrat
die Möglichkeit einer Verlängerung des Mandats für die "multinationale
Streitmacht" prüfen. Frankreich hatte bislang darauf bestanden, dass der Verbleib
der bisherigen Besatzungstruppen unter dem neuen Etikett von der vorherigen Zustimmung der
erst noch zu bildenden Übergangsregierung abhängig gemacht werden müsse.
Die UNO soll nach dem Entwurf künftig "je nach den Umständen" eine
"prominente Rolle" im Irak spielen. Diese vage Formulierung nimmt auf den
Umstand Rücksicht, dass UNO-Generalsekretär Kofi Annan sowie zahlreiche Mitglieder des
Sicherheitsrates eine Rückkehr der Vereinten Nationen in den Irak vor allem von einer
deutlichen Verbesserung der Sicherheitslage abhängig machen. Zudem ist weiterhin offen,
ob der UN-Sonderbeauftragte für Irak, Laktar Brahimi, Erfolg hat bei seinen Bemühungen
zur Bildung der Übergangsregierung.
Die Mitglieder dieser Regierung und das Verfahren zu ihrer Auswahl sind zwischen den
verschiedenen ethnischen und politischen Gruppen im Irak weiterhin stark umstritten. Als
konkrete Aufgaben und Kompetenzen für eine etwaige künftige Mission der UNO werden in
dem Resolutionsentwurf lediglich die "Organisation" der für Anfang 2005
vorgesehenen allgemeinen und freien Wahlen sowie "Hilfe" beim Wiederaufbau von
Institutionen und bei der Erarbeitung einer endgültigen irakischen Verfassung genannt.
Geschützt werden soll eine künftige UNO-Mission durch eine ebenfalls multinationale
"Sondertruppe", zu der Mitgliedstaaten der UNO Soldaten bereitstellen sollen.
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