Zahl der Woche: 10 Millionen
Kindersklaven - nur nicht in Genf?
Andreas Zumach
Als Lasttier, Steineklopfer, Lastenschlepper, Schuhputzer, Teppichknüpfer - weltweit
müssen rund 200 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren für ihren Lebensunterhalt
arbeiten. 10 Millionen von ihnen leisten Zwangsarbeit in Privathaushalten. Die Mehrheit
dieser jugendlichen ArbeitssklavInnen sind Mädchen, die zudem häufig auch sexuell
misshandelt werden. Das berichtet uns die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in
Genf. Heute ist der "Welttag gegen Kinderarbeit", und aus diesem Anlass hat die
UNO-Organisation eine Studie unter dem Titel "Helfende Hände oder ein Leben in
Ketten?" herausgegeben.
Tatsächlich wäre die Internationale Arbeitsorganisation auf noch höhere Zahlen
gekommen, wenn ihrer "globalen" Studie tatsächlich auch eine lücken- und
tabulose weltweite Datenerhebung zugrunde lägen. Stattdessen beschränkt sie sich auf
Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerika. So erfahren wir, dass 2 Millionen der 10
Millionen Zwangsarbeiter unter 18 Jahren in südafrikanischen Privathaushalten "unter
oftmals sehr unwürdigen Bedingungen" schuften müssen - bis zu 15 Stunden am Tag.
700.000 sind es laut Internationaler Arbeitsorganisation allein in der indonesischen
Hauptstadt Jarkarta, 550.000 in Brasilien und über 260.000 in Pakistan.
Ausschließlich aus den drei Subkontinenten stammen auch die Fallstudien und
Einzelschicksale von Kindern, die manchmal erst acht Jahre alt sind und oftmals sieben
Tage die Woche arbeiten müssen - für einen Hungerlohn oder gleich ganz ohne jedes
Entgelt. Doch das Problem von Zwangsarbeit, Ausbeutung und sexuellem Missbrauch von
Kindern und Jugendlichen in fremden Privathaushalten existiert - wenn auch längt nicht in
demselben Ausmaß - durchaus auch in den reichen Industriestaaten des Nordens.
Nicht zuletzt in der internationalen Stadt Genf. Hier befinden sich nebem dem
europäischen Haupsitz der UNO auch die Zentralen von 26 ihrer 34 Sonder-und
Spezialorganisationen sowie der Welthandelsorganisation. DiplomatInnen aus den rund 150
Staaten, die in Genf eine UNO-Botschaft unterhalten, sowie MitarbeiterInnen der
zahlreichen internationalen Organisationen - möglicherweise auch der ILO - beschäftigen
billige Arbeitskräfte im Haushalt, zur Kinderbetreuung oder zu anderen Zwecken.
Darunter auch Minderjährige. Diese billigen Arbeitskräfte kommen überwiegend aus den
Philippinen und anderen asiatischen Staaten. Immer wieder wurden in den letzten Jahren
einzelne Fälle von Ausbeutung, sexuellem Missbrauch oder Gewaltanwendung bekannt. Stets
wurden diese Fälle unter den Teppich gekehrt - oft mit dem Hinweis auf die
"diplomatische Immunität" der "Arbeitgeber".
Die UNO sowie die Schweiz und der Kanton Genf als ihre Gastgeber hüllen sich ins
Schweigen. Eine gründliche, tabulose Untersuchung ist überfällig. Das wäre einmal eine
Aufgabe für die ILO.
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