Irak-Resolution
Für Bush gut, für Iraker schlecht
Andreas Zumach
George Bush kann sich bei Gerhard Schröder, Jacques Chirac und Wladimir Putin
bedanken. Denn mit ihrer Zustimmung zur neuen Irakresolution der UNO haben die drei
vormals erklärten Gegner von Bushs völkerrechtswidrigem Irakkrieg die Chancen des
US-Präsidenten auf Wiederwahl im November deutlich erhöht. Beim G-8-Gipfel in Georgia
kann sich Bush seinem Wahlvolk jetzt als Gastgeber einer versöhnten Staatengemeinschaft
präsentierten. Und zwar versöhnt im Wesentlichen zu seinen Bedingungen.
Daran ändern auch die Detailverbesserungen wenig, die Frankreich, China, Russland und
Deutschland in den letzten zwei Wochen durchsetzen konnten. Bush kann nun Ende Juni wie
geplant die Übergabe der Macht an eine nominell "souveräne" irakische
Übergangsregierung verkünden. Und die Besatzungstruppen bleiben - mit einem
ausdrücklichen UN-Mandat - im Irak stationiert.
Damit mag diese neue Resolution zumindest eine Zeit lang die Spaltung der
Weltgemeinschaft und insbesondere der transatlantischen Allianz übertünchen, die mit dem
Irakkrieg begann. Und vielleicht erhält die rot-grüne Bundesregierung mit ihrem Begehr
nach einem ständigen Sitz Deutschlands im Sicherheitsrat jetzt tatsächlich
Unterstützung aus Washington.
Doch wird diese Resolution zu einer Befriedung des Irak beitragen und das Los der nun
seit über 25 Jahren unter Diktatur, Kriegen, UNO-Sanktionen und Besatzung leidenden
Bevölkerung verbessern? Es wäre zu hoffen. Doch die Aussichten sind schlecht.
Die Resolution gründet auf der Fiktion einer gleichwertigen Partnerschaft zwischen den
USA und Irak. Wie aber kann eine nicht gewählte, im Wesentlichen von Washington bestimmte
irakische Übergangsregierung, deren Überleben weiterhin von den bisherigen
Besatzungstruppen abhängt, eine souveräne Politik betreiben? Wieso sollten der weit
verbreitete Unmut in der irakischen Bevölkerung über diese Besatzungstruppen und die
teilweise gewaltsamen Formen der Ablehnung nachlassen oder gar ganz aufhören - nur weil
diese Truppen künftig unter dem neuen Namen "multinationale Streitmacht"
auftreten?
Die Resolution wird es George W. Bush erleichtern, die Verantwortung auf die angeblich
souveräne Regierung und auf die UNO abzuschieben, wenn bis zur US-Präsidentenwahl im
November keine deutlichen Verbesserung der Lage im Irak eingetreten ist.
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