Späte Genugtuung für Hans Blix
Andreas Zumach
Der Bericht des US-Waffeninspekteurs Charles Duelfer belegt es endgültig:
Die Hauptrechtfertigung der Regierungen Bush und Blair für den
Krieg gegen den Irak beruhte nicht etwa auf Fehleinschätzungen
von Geheimdiensten. Sie war von Anfang an eine bewusste Lüge.
Ausnahmslos alles, was Duelfer auflistet über die Zerstörung
und endgültige Einstellung atomarer, biologischer und chemischer
Waffenprogramme in der Zeit von 1991 bis Ende 1998 findet sich bereits
im Abschlussbericht der ersten Waffeninspektions-Kommission der Vereinten
Nationen Unscom von Anfang 1999. Fast alle verdächtigen und möglicherweise
illegalen Beschaffungs- und Forschungsaktivitäten Iraks in den
inspektionslosen Jahren 1999 bis Ende 2002, die Duelfer aufführt,
sind auch bereits in dem 12.000-seitigen Waffenreport enthalten, den
das Regime Saddam Hussein Anfang Dezember 2.002 dem UN-Sicherheitsrat
übergeben hatte.
Allerdings halten die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats
beide Berichte bis heute unter Verschluss. Denn sie dokumentieren
eben auch detailliert und umfassend die weit reichende Verantwortung
der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats sowie Deutschlands
für die Aufrüstung Iraks seit 1979 - und damit die bis heute
anhaltende Mitverantwortung dieser Staaten für die Kriegs- und
Völkermordverbrechen des Regimes von Saddam Hussein.
Duelfers Bericht bedeutet eine volle Rehabilitierung und Bestätigung
für Hans Blix. Der von der Bush-Administration viel geschmähte
letzte Chefwaffeninspekteur der Vereinten Nationen im Irak hatte vor
dem Krieg vergeblich mehr Personal und einige Wochen mehr Zeit für
intensive Inspektionen verlangt. Blix war überzeugt, dass sich
auf diese Weise die Wahrheit über etwaige verbotene Waffenprogramme
des Hussein-Regimes herausfinden lasse.
Würden Fakten und nicht Propaganda die Politik bestimmen, müsste
Duelfers Bericht die Parlamente in Washington und London zu Amtsenthebungsverfahren
gegen Bush und Blair bewegen. Und Blix müsste heute in Stockholm
den Friedensnobelpreis zugesprochen bekommen. Letzteres wird vielleicht
geschehen. Ersteres mit Sicherheit nicht. Denn die Haltung zum Irakkrieg
ist von seinen Befürwortern in den USA und auch in Großbritannien
längst zur Glaubensfrage gemacht worden. Fakten und rationale
Argumente haben kaum mehr eine Chance.
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