Regierung im Irak
Angekündigtes Scheitern der UN
Andreas Zumach
Wer zu spät geht, den bestraft das Leben. Gorbatschows leicht abgewandelter Rat an
Erich Honecker vor dem Fall der Berliner Mauer trifft nun leider auch auf Lakhdar Brahimi
zu. Eigentlich hätte der Irak-Sonderbeauftragte von UNO-Generalsekretär Kofi Annan, der
sich in früheren Missionen sehr verdient um die Weltorganisation gemacht hat, schon vor
drei Wochen den Bettel hinschmeißen müssen. Damals wurde er nach einer kritischen
Äußerung zu Israels Palästinapolitik und deren negativen Auswirkungen auf die
Bemühungen zur Stabilisierung des Irak von Annan in beispielloser Weise öffentlich
bloßgestellt.
Brahimi habe sich "nur als Privatmann" geäußert, und bei dem
"früheren algerischen Außenminister" sei das "Thema Nahost halt stark
emotional besetzt", ließ Annan seinen Chefsprecher verkünden. Doch Brahimi
schluckte seinen Stolz herunter und widmete sich weiter mit erheblichem Einsatz der
Aufgabe im Irak, die ihm Annan aufgetragen hatte - auf Drängen der lediglich um den
Anschein einer UNO-Mitverantwortung bemühten Bush-Regierung.
Das Scheitern des Sonderbeauftragten war von vielen Beobachtern bereits von Beginn an
vorausgesagt worden, waren die Rahmenbedingungen seiner Arbeit doch weitgehend von der
Besatzungsmacht USA diktiert. Doch Annan und Brahimi schlugen alle Warnungen, die es auch
UN-intern gab, in den Wind. Das Scheitern Brahimis desavouiert auch seinen Chef Annan und
beschädigt die Institution der UNO.
Selbst wenn Brahimis Bemühungen um eine Interimsregierung aus Experten mit
Glaubwürdigkeit beim irakischen Volk Erfolg gehabt hätten, wären die Aussichten auf
eine Befriedung und Stabilisierung des Irak kaum besser gewesen als bei dem nun
vorliegenden Ergebnis.
Wer das Erreichte nun schönzureden versucht oder es gar als ausreichende Grundlage
für die Verabschiedung einer neuen UNO-Resolution auf Basis des angloamerikanischen
Entwurfs ausgibt, macht sich mitverantwortlich für die weitere Eskalation im
Zweistromland. Die einzige Alternative, die wenigstens die Chance auf eine Verbesserung
der Lage böte, wäre der Abzug der derzeitigen Besatzungsmächte und die Stationierung
einer UNO-geführten Friedenstruppe sowie die schnelle Einberufung einer irakischen
Nationalversammlung, die den weiteren Prozess hin zur völligen politischen und
wirtschaftlichen Souveränität des Landes bestimmt.
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