Trotz UN-Programm: Die Hilfe kann die Iraker nicht erreichen
In der Hand der Aggressoren
Andreas Zumach
Wer die Gewehre hat, der entscheidet auch. Völkerrecht hin oder her.
Das zeigt anschaulich die Kompromissresolution über die humanitäre
Hilfe für die irakische Zivilbevölkerung, die dem UN-Sicherheitsrat
gestern zur Abstimmung vorlag. Zwar setzten die beiden Aggressoren
USA und Großbritannien nicht ihr Ansinnen durch, dass die UNO
ihnen ein ausdrückliches Mandat für die Durchführung
der humanitären Hilfe erteilt. Damit wurde wenigstens der Eindruck
einer nachträglichen Legitimierung des völkerrechtswidrigen
Krieges durch die UNO vermieden. Doch wird diese Resolution von Washington
und London in den kommenden Wochen wahrscheinlich dazu missbraucht
werden, die Verantwortung für die humanitäre Katastrophe
im Irak der UNO in die Schuhe zu schieben.
Ob, wann, wo und in welchen Mengen dringend benötigte Nahrungsmittel,
Medikamente, sauberes Trinkwasser und andere überlebenswichtige
Güter die Not leidende Zivilbevölkerung erreichen, hängt
allein von den Interessen der Amerikaner und Briten ab. Erst wenn
sie den Krieg beenden oder zumindest für ausgewiesene Zonen des
Landes einen Waffenstillstand garantieren, kann UNO-Generalsekretär
Kofi Annan den in der Resolution erteilten Auftrag zur Wiederaufnahme
des Programms "Öl für Nahrungsmittel" zumindest
teilweise erfüllen.
Doch die Menschen, denen am dringendsten geholfen werden muss, leben
in Städten, die
von den USA und Großbritannien beschossen oder schon belagert
werden. Darüber hinaus irren über 300.000 Menschen als Binnenflüchtlinge
zwischen den feindlichen Linien in der irakischen Sandwüste umher.
Wo können unter diesen Umständen die "alternativen
Orte für die Verteilung von Hilfsgütern" sein? UNO-Generalsekretär
Annan soll sie halt finden. So denken sich das New Yorker UN-Diplomaten?
Jetzt ist zu befürchten: In wenigen Wochen werden dieselben Diplomaten
und mit ihnen viele Medien wieder über das Versagen der Vereinten
Nationen lamentieren.
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