Blockadepolitik
Fünf Modelle einer Reform und Erweiterung des
UN-Sicherheitsrats wurden diskutiert, als konsensfähig hat sich
bisher keins erwiesen
Andreas Zumach
1993 formulierte der damalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel vor
der UNO-Generalversammlung erstmals offiziell den Wunsch nach einem
ständigen Sitz für das vereinte Deutschland im Weltsicherheitsrat.
Kinkels Erwartung, dieses Ziel wäre "spätestens bis
zur Jahrtausendwende erreicht", erwies sich als grobe Fehleinschätzung.
Fünf Modelle einer Reform und Erweiterung des Sicherheitsrates
sind inzwischen von einem ständigen Arbeitsausschuss der Generalversammlung
diskutiert worden - keines fand die für eine Veränderung
der UNO-Charta erforderliche Zweidrittelmehrheit, geschweige denn
einen Konsens unter den UNO-Mitgliedstaaten.
Eine Erweiterung des Rates lediglich um die ständigen Ratsmitglieder
Deutschland und Japan hatte nie auch nur den Hauch einer Chance. Das
Modell 15 plus 6 (Deutschland, Japan sowie je ein Staat aus Osteuropa,
Asien, Afrika und Lateinamerika) scheiterte vor allem am Unwillen
der Regionalgruppen aus den drei Subkontinenten, sich auf einen Kandidaten
zu beschränken und zu einigen. Das Modell 15 plus 9 (mit je 2
Ländern aus den drei Subkontinenten) stieß auf Widerstand
und die Vetodrohung der USA, weil der Sicherheitsrat "zu groß
und arbeitsunfähig" werde. Die Variante einer Erweiterung
um ständige Mitglieder, die aber kein Vetorecht erhalten sollten,
wird von Deutschland und Japan abgelehnt. Das Modell einer Umwandlung
der nationalen ständigen Sitze in Regionalgruppenvertretungen
(zum Beispiel ein oder auch zwei Sitze für die EU, die dann von
den EU-Staaten in Rotation wahrgenommen würden) wird von Paris
und London verworfen.
Der demokratischste Vorschlag wurde 1996 von Italien eingebracht:
Abschaffung der "historisch überholten und undemokratischen
Privilegien Veto- und ständige Mitgliedschaft" sowie Wahl
aller Ratsmitglieder auf jeweils zwei Jahre aus neun gleich großen
Regionalgruppen der Generalversammlung nach einem Verfahren, bei dem
alle UNO-Mitgliedstaaten eine Chance hätten, in regelmäßigen
Abständen in den Rat einzuziehen; zwischen 1945 und 2000 waren
nur 77 der heute 191 UNO-Staaten im Rat, davon 49 nur einmal, einige
regionale Mächte wie Japan, Kanada oder Brasilien hingegen bereits
bis zu achtmal. Bei den heutigen ständigen Ratsmitgliedern sowie
bei den Anwärtern Deutschland und Japan stößt das
italienische Modell indes auf erbitterte Ablehnung.
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