Wahlerfolg Blochers: Die Schweiz ist schon längst keine Idylle
mehr
Den Populisten entzaubern
Andreas Zumach
Die politische Lage der Schweiz ist seit dem Wahlsieg der rechtspopulistischen
Schweizer Volkspartei (SVP) von Christoph Blocher häufig mit
der in Italien oder Österreich verglichen worden: Dort zogen
Rechtspopulisten schon in die Regierung ein - das könnte der
Schweiz im Dezember auch drohen. Doch ist die politische Stabilität
der Alpenrepublik keineswegs gefährdet.
Schon längst ist die Schweiz nicht mehr die Idylle, als die
sie gerade in Deutschland immer noch wahrgenommen wird. Die Verschlechterung
der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Abbau öffentlicher
Dienstleistungen sowie des Sozialnetzes haben auch hier längst
zur einer Verschärfung der politischen Auseinandersetzungen geführt.
Für das Mehr an politischer Stabilität, die, verglichen
mit anderen Staaten Europas, in der Schweiz noch immer herrscht, ist
nicht nur die "Zauberformel" verantwortlich, nach der das
Land seit über 50 Jahren von einer Vier-Parteien-Koalition regiert
wird. Mindestens ebenso wichtig für die Integrationsfähigkeit
der Schweizer Demokratie sind die häufigen Volksabstimmungen
über Sachthemen, die auch den Abstimmungsverlierern zumindest
die Befriedigung der Teilnahme an der politischen Meinungsbildung
vermitteln. Drittens haben bei den Wahlen nicht nur die Rechtspopulisten
zugelegt, sondern auch Sozialdemokraten und Grüne, obwohl oder
gerade weil sie in der Schweiz in fast allen innen- wie außenpolitischen
Fragen ein deutlich linkeres Profil haben als ihre Schwesterparteien
anderer europäischer Staaten.
Und schließlich: So verwerflich die fremdenfeindlichen Kampagnen
der SVP auch sind, so unseriös ihre Forderungen nach Steuersenkungen
und so teilweise verlogen ihre Argumente gegen einen Schweizer EU-Beitritt:
Blocher ist in seinem Gefährdungspotenzial für die Demokratie
nicht mit Haider zu vergleichen und schon gar nicht mit Berlusconi.
Die anderen Parteien wären klug beraten, ihn durch Wahl in die
Regierung endlich einmal in konkrete Verantwortung zu nehmen. Danach
hätten sie vier Jahre Zeit, den Populisten zu entzaubern.
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