 |
TAZ
20. Februar 2003 |
|
|
Wo bleibt die Offensive?
Kommentar von ANDREAS ZUMACH
Die Bush-Administration und die Regierung Blair geben sich bei ihren Kriegsplänen
unbeeindruckt - sowohl von den weltweiten Protesten als auch von ihrer Isolation unter den
191 UNO-Regierungen. Auch am Kriegsziel "Regimewechsel" hält Tony Blair
weiterhin ausdrücklich fest, obwohl es nach der Darstellung von Bundeskanzler Schröder
beim Brüsseler EU-Gipfel einvernehmlich verworfen wurde. USA und Großbritannien
ergreifen wieder die Initiative.
Dabei liegt seit zehn Tagen endlich ein Gegenkonzept zu den Kriegsplänen auf dem Tisch,
das die Dynamik im UN-Sicherheitsrat verändert hat: die von Frankreich lancierte und von
Deutschland, Russland sowie China mitgetragene Initiative für eine Verstärkung des
Inspektionsregimes im Irak. Doch der von den USA und Großbritannien für die nächsten
Tage angekündigte Resolutionsentwurf droht, die anderen Ratsmitglieder wieder in die
Defensive des Reaktionszwangs zu bringen.
Wo bleibt die Offensive? Wann treffen sich die Außenminister Villepin, Fischer und ihre
Amtskollegen aus Moskau und Peking endlich mit UNO-Chefinspekteur Blix, um die möglichst
baldige Umsetzung der Initiative zur Verstärkung des Inspektionsregimes zu besprechen?
Hierzu bedarf es ja keiner neuen Resolution des Rates. Oder ist es ein Privileg von
US-Außenminister Powell und Bushs Sicherheitsberaterin Rice, Blix regelmäßig zu
treffen, um ihn zur Unterstützung der amerikanisch-britischen Linie zu drängen?
Je schneller und umfangreicher die Unmovic-Kontrolleure personell und technologisch
aufgerüstet werden, desto eher können Blix und Baradei alle mutmaßlichen verbotenen
Massenvernichtungsmittel und Rüstungsprogramme im Irak aufspüren und zerstören. Nur
dann gibt es überhaupt eine Chance, dass die beiden Chefinspekteure dem Sicherheitsrat in
nicht allzu langer Frist bescheinigen können, dass Bagdad sämtliche Abrüstungsauflagen
der UNO erledigt hat. Das nähme Washington und London zumindest die Möglichkeit, den
Krieg unter Verweis auf UNO-Resolutionen zu führen. Aber will man das in Paris, Berlin,
Moskau und Peking überhaupt noch? Oder ging es bei der Initiative lediglich darum, vor
der arabischen Welt oder der heimischen Öffentlichkeit noch einmal Kriegsskepsis zu
demonstrieren, um dann schließlich doch einem Ultimatum zuzustimmen, das dem Krieg ein
völkerrechtliches Mäntelchen umhängen soll? Die nächsten drei Wochen werden es zeigen.
|