WTO-Gipfeltreffen: Diesmal könnten EU und USA scheitern
Elefanten im Agrarladen
Andreas Zumach
Wo sich zwei Elefanten lieben, wächst kein Gras mehr. Dieses
afrikanische Sprichwort wurde im Verlauf der Welthandelsgespräche
seit Ende der Achtzigerjahre häufig bestätigt. Immer wieder
setzten die beiden größten WTO-Mitglieder, USA und EU,
ihre untereinander erzielten Vereinbarungen gegen den Rest der über
140 Mitgliedsstaaten durch. Und so wollen beide auch bei der kommenden
WTO-Ministerkonferenz in Cancún verfahren.
Darauf deutet zumindest die Propaganda hin, mit der USA und EU ihre
"Grundsatzeinigung" im Agrarstreit als "Fortschritt"
und "Diskussionsgrundlage für Cancún" zu verkaufen
suchen. Tatsächlich kommen in dem Papier einige bisherige Streitpunkte
zumindest nicht mehr ausdrücklich vor. Für eine Deblockade
der vor zwei Jahren auf der Ministerkonfernez in Doha ausgerufenen
und seitdem blockierten WTO-Entwicklungsrunde aber reicht das nicht
aus. Dafür liegen die Ausgangspositionen von USA und EU auf der
einen und der großen Mehrheit der übrigen WTO-Mitglieder
auf der anderen Seite viel zu weit auseinander.
In der der EU gibt man sich bereits seit dem Juni-Beschluss über
erste zaghafte Reformen der gemeinsamen Agrarpolitik offensichtlich
der Illusion hin, dieser Beschluss reiche bereits aus als Entgegenkommen,
um in Cancún die Zustimmung der WTO-Mitglieder aus Asien, Afrika
und Lateinamerika zur Liberalisierung von Investionen, Dienstleistungen
und anderen Wirtschaftsbereichen zu erhalten. Und die USA setzen inzwischen
auch beim Handel einzig auf Druck und Macht.
Trotzdem dürfte ein erneuter Versuch der beiden WTO-Elefanten,
ihre bilaterale Verständigung den übrigen WTO-Staaten aufzuzwingen,
in Cancún zu einem ähnlichen Desaster führen wie
1998 in Seattle. Einmal, weil der Widerspruch zwischen dem Reden und
dem Handeln der Industriestaaten vielen Ländern des Südens
seit Einläutung der WTO-Entwicklungsrunde noch stärker bewusst
geworden ist. Und andererseits, weil ihre Kritik inzwischen in vielen
Punkten auch von dem damals gerade neu hinzugekommenen WTO-Mitglied
China unterstützt wird.
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