Kalaschnikow & Co. sind die weltweit grösste Bedrohungen
in Kriegen
Massenmord mit Kleinwaffen
Andreas Zumach
Seit Ende des Kalten Krieges wurden weltweit 50 heiße Kriege begonnen.
Einige dauern noch an. Einer der letzten Kriege - der der USA und Großbritanniens
gegen Irak - wurde in erster Linie mit der angeblichen Existenz verbotener
Massenvernichtungswaffen gerechtfertigt. Eine völkerrechtlich nicht
haltbare Begründung, die inzwischen zudem als Lüge enttarnt
wurde. Keine Lüge, sondern brutale Realität ist hingegen der
Einsatz immer noch erlaubter Massenvernichtungswaffen in den meisten
der anderen 49 Kriege.
Über eine halbe Million Menschen werden jährlich Opfer
des G-3-Gewehrs der deutschen Rüstungsschmiede Heckler &
Koch, der russischen Kalaschnikow und anderer so genannter "Kleinwaffen".
Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hat diese verharmlosende Bezeichnung
zu Recht verworfen und die weltweit verbreiteten Mordgeräte als
die "Massenvernichtungswaffen der heutigen Kriege" bezeichnet.
Die Untätigkeit der Staatengemeinschaft gegen diese Form von
realem Massenmord steht in scharfem Kontrast zur Beschwörung
der bislang fiktiven Bedrohung durch atomare, chemische oder biologische
Massenvernichtungswaffen. Besonders in den USA fällt das auf.
Sie sind Spitzenreiter bei der Produktion von Kleinwaffen, der Verbreitung
im eigenen Land sowie beim - legalen wie illegalen - Export. Und niemand
hat die Vereinbarung und Umsetzung verbindlicher und wirksamer Maßnahmen
zur Eindämmung wenigstens des illegalen Handels mit Kleinwaffen
stärker behindert als Washington - aller anders lautenden Rhetorik
zum Trotz.
Dieser Skandal ist jedoch keine akzeptable Ausrede für andere
Staaten. Niemand hindert etwa die rot-grüne Regierung daran,
endlich ihre sämtlichen Verpflichtungen aus dem UNO-Aktionsplan
von 2001 vollständig umzusetzen oder darüber hinaus weiter
gehend zu handeln. So könnte Berlin wenigstens dafür sorgen,
dass das G-3-Gewehr seine langjährige Spitzenposition unter den
weltweit am meisten verbreiteten und effektivsten Massenvernichtungswaffen
verliert.
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