Schweizer Bundesrat driftet nach rechts
Bei der Wahl der Regierung setzt sich der Rechtspopulist Christoph
Blocher erst im dritten Wahlgang knapp gegen die bisherige Justizministerin
Ruth Metzler von der Christlichen Volkspartei durch. Fortan ist nur
noch eine Frau im Bundesrat vertreten
Andreas Zumach
Am Ende ging gestern im Berner Bundeshaus alles schneller und glatter als
am Vorabend erwartet. In den ersten beiden Wahlrunden wurden erwartungsgemäß
die beiden dienstältesten Bundesräte, Umwelt- und Verkehrsminister
Moritz Leuenberger (Sozialdemokratische Partei, SP) und Innenminister
Pascal Couchepin (Freidemokratische Partei, FDP), ohne GegenkandidatInnen
in ihren Ämtern bestätigt.
In der dritten Runde trat Christoph Blocher als Kandidat der rechtspopulistischen
Schweizer Volkspartei (SVP) gegen die bisherige Justizministerin Ruth
Metzler von der Christlichen Volkspartei (CVP) an. Allerdings setzte
sich Blocher erst im dritten Wahlgang durch - nur mit 2 Stimmen über
der erforderlichen absoluten Mehrheit.
Das Ergebnis dokumentiert, dass Blocher wie kein anderer Politiker
die Eidgenossen in zwei fast gleich große Lager von AnhängerInnen
und GegnerInnen spaltet. Seinen knapp Sieg bei der - geheimen Wahl
- hat Blocher wohl zum einen einigen Rechtsabweichlern in der CVP
zu verdanken sowie den drei Abgeordneten zwei kleiner Westschweizer
Linksparteien. Diese hatten angekündigt, sie würden "keinem
Kandidaten der bürgerlichen Parteien" (also auch nicht Metzler)
ihre Stimmen geben.
Nach ihrer Niederlage verzichtete Meztler auf eine - nach den Wahlregeln
erlaubte - Kandidatur bei den folgenden Runden. In diesen wurden ihr
Parteikollege Joseph Deiss (Wirtschaft), Blochers Parteifreund Samuel
Schmid (Verteidigung) sowie die sozialdemokratische Außenministern
Micheline Calmy-Rey in ihren Ämtern bestätigt. In der siebten
Wahlrunde, bei der es um die Nachfolge des zurückgetretenen Finanzministers
Kaspar Villiger (FDP) ging, setzte sich dessen Parteifreund, der rechtsliberale
Finanzexperte Hans Rudolf Merz, gegen eine Kandidatin derselben Partei
durch. Damit ist in der künftigen Regierung nur noch eine Frau
vertreten.
Im Ergebnis bleibt das in den 50er-Jahren eingeführte Konkordanzmodell,
wonach die drei stärksten Parteien mit je zwei Bundesräten
und die viertstärkste Partei mit einem Bundesrat die Regierung
bilden, zwar formal erhalten. Doch auch die Tatsache, dass die SozialdemokratInnen
Leuenberger und Calmy-Rey das mit weitem Abstand beste Ergebnis erzielten,
kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die politischen
Gewichte in der Regierung deutlich nach rechts verschoben haben.
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