Pentagon verhökert heiße Ware
Bis vor drei Wochen bot das US-Verteidigungsministerium
Ausrüstung zur Herstellung von biologischen Waffen zu
Schleuderpreisen im Internet an. Was die Kunden mit Zentrifugen und
Brutkästen anfangen wollten, interessierte nicht
Andreas Zumach
Die Bush-Administration begründet ihren heute vor zwei Jahren begonnenen
"Krieg gegen den Terrorismus" mit der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen
- zugleich verkaufte das Pentagon bis vor knapp drei Wochen Ausrüstung
zur Herstellung biologischer Waffen zu Schnäppchenpreisen über
das Internet. Ein Teil der veräußerten Zentrifugen, Brutkästen,
Verdampfer sowie knapp 400 B-Waffen-Schutzanzüge gelangte durch
Weiterverkäufe nach Ägypten, Malaysia und den Philippinen
- Länder, in denen es nach Darstellung der Bush-Administration
Mitglieder von al- Qaida und anderen Terrorgruppen gibt und wo sie
logistische Unterstützung erhalten. Das geht aus einem Bericht
der Rechnungsprüfungsbehörde (General Accounting Office,
GAO) des US-Kongresses hervor, der der taz vorliegt.
GAO-Angestellte hatten eine Scheinfirma gegründet und über
das Internet Ausrüstungsgegenstände für B-Waffen im
Wert von 4.100 US-Dollar erstanden. Das US-Verteidigungsministerium
selbst hatte dafür vormals 46.000 Dollar ausgegeben. Für
die Identität der Käufer und den Gebrauchszweck interessierte
sich das Pentagon laut GAO-Bericht nicht. Nachdem es von den GAO-Recherchen
erfuhr, verschwanden die Verkaufsangebote am 19. September aus dem
Internet. Gestanden hatten sie auf der Homepage der Pentagon-Abteilung,
die für Marketing und Wiederverwendung gebrauchter Ausrüstungsgegenstände
zuständig ist (Defense Reutilization and Marketing Service).
Bis Redaktionsschluss lag keine Reaktion der Bush-Administration
vor. Unklar bleibt, wieso das Pentagon überhaupt noch über
Ausrüstungsgegenstände zur B-Waffen-Produktion verfügt.
Denn diese ist durch ein auch von den USA ratifiziertes Abkommen von
1972 verboten. Allerdings wurde durch Recherchen der New York Times
im September 2001 bekannt, dass das Pentagon ein geheimes B-Waffen-Programm
betreibt. Das räumte damals nur ein "rein auf Defensivzwecke"
ausgerichtetes Projekt ein, in dem Impfstoffe zum Schutz eigener Soldaten
vor B-Waffen-Angriffen entwickelt würden. Allerdings herrscht
unter Fachleuten Konsens, dass eine Trennung zwischen "defensiven"
und "offensiven" Zwecken bei der B-Waffen-Forschung unmöglich
ist. Aus internen Dokumenten des Pentagons geht zudem hervor, dass
im Rahmen des angeblichen "Defensivprogramms" eine mit einem
B-Waffen-Sprengkopf bestückbare Bombe entwickelt wird.
Ein genauerer Aufschluss über B-Waffen-relevante Enwicklungsaktivitäten
in den USA und in anderen Ländern wäre nur möglich,
wenn es ein internationales Überwachungsregime für das Verbotsakommen
von 1972 gäbe. Auf den Text für ein entsprechendes Zusatzprotokoll
hatten sich 60 von 61 Mitgliedern der UNO-Abrüstungskonferenz
im Herbst 2001 geeinigt. Seine Verabschiedung scheitert bisher jedoch
am Veto der USA.
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