Kritik von Annan
Der UNO-Generalsekretär moniert den neuen Entwurf der USA für
eine Irakresolution des Sicherheitsrats
Andreas Zumach
UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat mit für seine Verhältnisse
ungewöhnlich deutlicher Kritik auf den revidierten Entwurf der
Bush-Administration für eine neue Irakresolution des UNO-Sicherheitsrats
reagiert. Zuvor hatten bereits die Ratsmitglieder Frankreich, Russland,
China, Deutschland und Syrien ihre erhebliche Unzufriedenheit mit
dem Entwurf zum Ausdruck gebracht. Die Chancen, dass sich der Sicherheitsrat
noch vor der für Ende Oktober geplanten Irak-Geberkonferenz in
Madrid auf eine neue Resolution einigt, werden in UNO-Kreisen zunehmend
skeptisch beurteilt.
"Der Resolutionsentwurf der USA geht offensichtlich nicht in
die Richtung, die ich empfohlen habe", erklärte Generalsekretär
Annan vor Journalisten in New York. Annan monierte, dass der neue
Entwurf nach wie vor weder eine substanzielle Rolle für die UNO
im Irak vorsieht noch einen Zeitplan für die Übertragung
substanzieller Kompetenzen an den von Washington eingesetzten Regierungsrat,
für die Ausarbeitung einer Verfassung, Wahlen und die schließliche
Übergabe der Macht an eine neugewählte irakische Regierung.
Der Entwurf, der der taz vorliegt, enthält im Unterschied zu
seinem Vorgänger lediglich eine Präambel, in der die "schnelle"
und "schrittweise" Übergabe der Macht an den Regierungsrat
befürwortet wird. Zur UNO heißt es unverbindlich und ohne
konrete Details, ihre "vitale" Rolle im Irak solle "gestärkt"
werden. Bereits bei einem Essen mit den Botschaftern der 15 Mitgliedstaaten
des Sicherheitsrats am Donnerstagmittag machte Annan deutlich, dass
eine substanzielle Rolle der UNO im Irak Vorbedingung ist für
die Rückkehr der nach zwei Anschlägen auf die Bagdader UNO-Zentrale
inzwischen fast vollständig abgezogenen bislang rund 600 internationalen
MitarbeiterInnen. Er könne das Leben seiner MitarbeiterInnen
nicht bei einem Einsatz riskieren, bei dem die UNO nur eine marginale
Rolle spielen, erklärte der Generalsekretär Teilnehmern
des Essens zufolge.
"Wenn der Generalsekretär es ablehnt, seine Leute zu schicken,
ist es sinnlos, jetzt die Resolution anzunehmen", sagte dazu
der Botschafter eines westlichen Mitgliedslands im Sicherheitsrat.
Nach Einschätzung von UNO-Diplomaten dürften die Worte von
Annan dazu führen, dass sich die sechs Ratsstaaten aus Afrika,
Lateinamerika und Asien, die bislang öffentlich noch keine Position
bezogen hatten, auf die Seite der Kritiker des Entwurf schlagen werden.
Unterdessen verschärfte der demokratische Präsidentschaftsbewerber
und frühere Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark seine Kritik am
Irakkrieg der Bush-Administration und forderte eine "unabhängige
Untersuchung" des mutmaßlichen Einsatzes "krimineller
Mittel" in der Außenpolitik der Administration.
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