Resolutionsentwurf zum Irak zeigt: Bush ist auch US-Kritik egal
Den Preis zahlen die Iraker
Andreas Zumach
"Die Bush-Administration hat zur Rechtfertigung des Irakkrieges Fakten
manipuliert, ihre Kritiker dämonisiert und in ihrer Außenpolitik
möglicherweise gar kriminelle Mittel eingesetzt." Diese
Reaktion auf den CIA-Bericht über die vergebliche Suche nach
irakischen Massenvernichtungswaffen markiert eine neue Qualität
der Kritik. Denn sie stammt nicht von einem Pazifisten oder linksgrünem
Kriegsgegner, sondern von Wesley Clark - immerhin dem Mann, der vor
vier Jahren noch den ebenfalls völkerrechtswidrigen und mit zahlreichen
Lügen begründeten Krieg der Nato gegen Serbien/Montenegro
militärisch befehligt hat. Trotzdem scheint die Bush-Administration
weiterhin von aller Kritik unberührt. Das zeigt ihr neuer Entwurf
für eine Irakresolution der UNO.
In der Substanz hat sich Washington in den beiden zentralen Streitpunkten
mit Paris, Moskau, Berlin und Peking nicht bewegt. Damit ist eine
neue Resolution, die der UNO, wenn schon nicht die Allein-, so doch
zumindest eine substanzielle Mitverantwortung überträgt
und einen Zeitplan formuliert für die Ausarbeitung einer Verfassung,
Wahlen und die Übergabe der Macht an die Iraker, weiterhin nicht
in Sicht. Eine solche, vom Sicherheitsrat möglichst einvernehmlich
verabschiedete Resolution wäre jedoch die Mindestvoraussetzung
für einen Erfolg der für Ende Oktober geplanten Irak-Geberkonferenz
in Madrid. Ohne sie wird sich auch weiterhin kein Land bereit finden,
Truppen oder Zivilpersonal zu entsenden.
Nachdem die humanitären Organisationen der UNO ihre Tätigkeit
völlig eingestellt und - bis auf eine kleine symbolische Präsenz
- fast sämtliche internationalen Mitarbeiter aus Irak abgezogen
haben, dürfte sich die humanitäre Lage für viele Iraker
noch mehr verschlechtern. Eine weitere erhebliche Verschärfung
droht mit dem - auf Druck Washingtons - für Anfang November vorgesehenen
Abbruch des UNO-Programms "Öl für Nahrungsmittel",
das derzeit noch von irakischen Mitarbeitern wenigstens einigermaßen
aufrechterhalten wird. Die Chance, dass die UNO die völlig verfahrene
Situtation noch zum Besseren wenden könnte, sinkt mit jedem Tag,
den die Bush-Administration stur bleibt.
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