TAZ
03. Juni 2003

g-8-gipfel in evian

Überflüssig wie ein Kropf

Andreas Zumach

Ärgerlich und überflüssig wie ein Kropf - auf den G-8-Gipfel von Evian trifft dieses Urteil noch mehr zu als auf seine Vorgänger, zumindest seit Ende des Kalten Krieges. Die fehlende Legitimität und Befähigung der acht Staats- und Regierungschefs, für den "Rest" der Welt zu sprechen und zu entscheiden, konnte auch durch die partielle Teilnahme einiger handverlesener Gäste aus dem Süden nicht kaschiert werden.

Die globalisierungskritische Bewegung sollte sich fragen, ob sie mit ihren Protesten gegen die Gipfel diesen nicht erst eine Bedeutung verleiht, die ihnen gar nicht zukommt. Und ob die Energie zur Mobilisierung dieser Proteste nicht an anderer Stelle beser eingesetzt wäre.

Was von den Ankündigungen und Versprechen des Gipfels mit Blick auf Entwicklungshilfe, Aidsbekämpfung, Armutsüberwindung und verbesserte Chancen für die Länder des Südens beim Welthandel zu halten ist, hat UNO-Generalsekretär Kofi Annan bereits zu Beginn des Treffens mit seiner nüchternen Bilanz der Nichtumsetzung früherer Gipfelbeschlüsse deutlich gemacht. Darüber hinaus besonders ärgerlich sind die mit 100 Millionen Euro extrem hohen Kosten für den hysterischen Sicherheitsaufwand, der am Genfer See getrieben wird. So viel Geld haben die SteuerzahlerInnen noch nie aufbringen müssen für den Schutz eines Gipfels der G 8, der Welthandelsorganisation, der Nato oder der UNO. Dazu kommen mindestens weitere rund 70 Millionen Euro Umsatzverluste der Geschäfte und Kleinhändler in den von der Gipfelveranstaltung besonders betroffenen Städten Genf, Evian und Lausanne.

Das Treffen von Evian wird aber vor allem wegen der devoten und prinzipienlosen Art in die Geschichte eingehen, in der die ehemaligen Irakkriegsgegner Chirac, Schröder, Putin und Chretien für das Linsengericht eines Vieraugengesprächs oder auch nur kurzen Wortwechsels und Händedrucks mit Bush ihre richtige und weiterhin dringend notwendige Kritik an diesem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg ad acta gelegt haben. Und das just zu dem Zeitpunkt, als durch Medienveröffentlichungen in den USA und Großbritannien beweiskräftig deutlich wird, dass die Regierungen Bush und Blair die Welt mit ihrer zentralen Begründung für diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg (der angeblichen Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen) nach Strich und Faden belogen haben.