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TAZ
23. Juli 2002 |
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Diesmal sinds die Christen-Fundis
Für ihren Unilateralismus ist den USA jeder Anlass Recht
Andreas Zumach
Mit der Entscheidung, den gesamten Jahresbeitrag an den
Bevölkerungsfonds der UNO (UNFPA) zu streichen, setzen die USA
ihre Politik des Unilateralismus fort, scheinbar unbeirrt von der
internationalen Kritik, die die bisherigen Schritte auf diesem Weg
hervorgerufen haben. Die jüngste Entscheidung ist erstmals dem
Druck der rechtskonservativen und christlich-fundamentalistischen
Wählerklientel geschuldet, in deren Abhängigkeit Bush sich
und die Republikanische Partei seit seinem Wahlkampf im Jahre 2000
gebracht hat.
Mit den Strafzöllen gegen ausländische Stahlimporte, die
Bush unter Verstoß gegen multilaterale Handelsabkommen
verhängte, hatte der US-Präsident noch eher die Interessen
bisheriger Stammwähler der Demokraten bedient. Die
Entscheidungen zur Torpedierung des Internationalen Strafgerichtshofs
hingegen erfolgten in erster Linie unter Einfluss des Pentagons -
Wählerdruck spielte hierbei kaum eine Rolle. Ähnliches gilt
für die Entscheidungen der Bush-Administration gegen eine
Stärkung des Biowaffenverbots, für ein nationales
Raketen"abwehr"programm oder gegen das Klimaprotokoll von
Kioto.
Im aktuellen Fall dürfte die internationale Kritik leider
vergleichsweise leise ausfallen und daher in Washington nicht einmal
Irritationen auslösen. Denn auch die europäischen
Regierungen - an erster Stelle die rot-grüne Koalition in Berlin
- haben ihre Beiträge an das UNFPA in den letzten Jahren in
unverantwortlicher Weise zusammengekürzt. Und damit bereits die
Handlungsfähigkeit eines der wichtigsten
konfliktpräventiven Programme des UNO-Systems erheblich
geschwächt.
Zwar begründeten sie diese Mittelkürzung - anders als
die Bush-Administration ihre Totalstreichung - nicht mit
politisch-ideologischen Vorbehalten, sondern mit
Haushaltsengpässen. Aber auch das ist eine Entscheidung für
andere, vermeintlich wichtigere Prioritäten.Wie auch immer
begründet: Dem UNFPA die finanzielle Unterstützung zu
entziehen ist eine - auch im wohl verstandenen Eigeninteresse der
Industriestaaten - extrem kurzsichtige Entscheidung.
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