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TAZ
23. Januar 2002 |
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Unklar, vorsichtig und viel zu spät
Haft auf Kuba: Aussenminister Fischer protestiert nur schwach
Andreas Zumach
Schön, dass Außenminister Fischer endlich seine noch
verbliebene Courage gegenüber dem US-amerikanischen Freund
zusammengekratzt hat. Das reichte zumindest für vorsichtige
Ermahnungen wegen der Behandlung der in Guantánamo
Inhaftierten - endlich. Denn schon vor über einer Woche
äußerten mit Human Rights Watch und amnesty international
die beiden renommiertesten Menschenrechtsorganisationen detaillierte
und fundierte Kritik an der Verletzung der Genfer Konventionen durch
die Bush-Administration. Es folgten die UNO-Hochkommissarin für
Menschenrechte Robinson, Fischers britischer Amtskollege Straw,
EU-"Außenminister" Solana und deutsche
Oppositionspolitiker, bevor die Bundesregierung gestern ihr
peinliches Schweigen brach.
Das wirft einige Fragen auf. Brauchte die gut ausgestattete
Völkerrechtsabteilung im Auswärtigen Amt so lange, um zu
einer Bewertung zu gelangen? Welche Einschätzung hat der
Menschenrechtsbeauftragte Poppe dem Bundesaußenminister
vorgetragen? Noch am Wochenende hatte Fischer jegliche Stellungnahme
abgelehnt mit dem Hinweis, Berlin wolle den Bericht des Roten Kreuzes
abwarten, dessen Delegation seit letztem Freitag Zugang zu den
Inhaftierten auf Guantánamo hat. Inzwischen ist dem AA wohl
aufgegangen, dass das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
prinzipiell keine Berichte über Gefangenenbesuche
veröffentlicht und man sich schon selbst um eine Bewertung
bemühen muss.
Fischers Erklärung lässt immer noch offen, ob die
Bundesregierung die darin erwähnten völkerrechtlichen
Mindesstandards der Genfer Konventionen bereits durch Washingtons
Vorgehen in den letzten zwölf Tagen verletzt sieht oder ob sie
lediglich vor einer Verletzung warnt - eine unklare, vorsichtige
Haltung. Sie dürfte kaum ausreichen, um die Bush-Administration
dazu zu bewegen, den Gefangenen vor allem den unverzüglichen
Zugang zu einem zuständigen Gericht zu ermöglichen. Wer -
gerade auch gegenüber Freunden - nicht rechtzeitig und deutlich
gegen die Verletzung menschen- und völkerrechtlicher Standards
protestiert, wird mitverantwortlich für die Unterminierung und
Zerstörung dieser Standards.
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