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TAZ
18. Oktober 2002 |
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Friedenspolitik wirkt nur konkret
Die deutsche Aussenpolitik bleibt nebulös und unverbindlich
Andreas Zumach
Der UNO falle "eine Schlüsselrolle" bei der
Bewältigung der "großen Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts" zu, heißt es im außenpolitischen
Kapitel des rot-grünen Koalitionsvertrages. Das ist gut. Was
diese Feststellung allerdings konkret bedeutet für die
künftige Außen-, Sicherheits- und Völkerrechtspolitik
Deutschlands, erfährt der Leser nicht. Ausführlich
behandelt wird lediglich die weiterhin nicht sehr relevante Frage, ob
und unter welchen Bedingungen Deutschland einen ständigen Sitz
im UN-Sicherheitsrat anstreben solle. Auch die Absicht, das
"politische Profil der OSZE zu stärken und auf eine
angemessene personelle und finanzielle Ausstattung der OSZE
hinzuwirken", bleibt nebulös und nicht einklagbar, weil
keine konkreten Maßnahmen genannt werden.
Ähnliches gilt für alle weiteren im Koalitionsvertrag
genannten positiven Zielbegriffe wie Konfliktprävention,
Menschenrechte, auswärtige Kultur- und Bildungspolitik,
Abrüstung und Rüstungskontrolle. Sie werden nicht
näher ausgeführt und bleiben unverbindliche
Absichtserklärungen. Sehr viel eindeutiger fallen hingegen die
Passagen über die Rolle der Bundeswehr aus. Sie soll sich
endgültig "zu einer Armee im Einsatz" wandeln.
Dementsprechend werden "moderne, gut ausgerüstete und
schnell verfügbare Einsatzkräfte erforderlich". Mit
anderen Worten: Auslandseinsätze der Bundeswehr - ob mit oder
ohne UN-Resolutionen - bleiben an der Tagesordnung.
Eine kritische Reflexion des Jugoslawienkrieges findet nicht
statt, zum drohenden US-Krieg gegen Irak wird nicht Stellung bezogen.
Allerdings verspricht die Regierung, sich weiterhin an der
"Operation Enduring Freedom", dem von den USA
geführten "Antiterrorkrieg", zu beteiligen und so ihre
Solidarität mit den Vereinigten Staaten zu demonstrieren.
Deutsche Außenpolitik ist aber noch nicht dadurch
Friedenspolitik, dass sie in Koalitionsverträgen so genannt
wird. Sie würde es erst, wenn messbare Schritte zur
Abrüstung und zur Zivilisierung der Außen- und
Sicherheitspolitik benannt und dann auch umgesetzt würden.
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