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TAZ
15. Mai 2002 |
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Russland, kaum noch Mittelmacht
Kein Veto aus Moskau, wenn der US-Krieg gegen den Irak beginnt
Andreas Zumach
Russland und die USA haben sich darauf geeinigt, ihre jeweils rund
6.000 strategischen Atomwaffen um zwei Drittel zu verringern.
Zugleich gründeten Russland und die Nato einen neuen
Kooperationsrat. Zu Zeiten des Kalten Krieges wären derartige
Vereinbarungen noch als "Durchbruch bei der Abrüstung"
gefeiert worden und als für die ganze Welt segensreicher
Entspannungschritt. Davon kann heute keine Rede mehr sein.
Im Gegenteil. Die Vereinbarung zum Abbau strategischer Atomwaffen
- deren verbleibende 2.000 Sprengköpfe nach wie vor zur
vielfachen globalen Vernichtung ausreichen - beseitigt die letzten
russischen Widerstände gegen die Aufrüstungsvorhaben der
Bush-Administration. Putin hat das Raketen"abwehr"programm
der USA abzeptiert, die Absicht zur Aufkündigung des
ABM-Vertrages und die Pläne des Pentagons für neue atomare
Mini-Bomben und Raketen. Selbst das von Moskau noch kürzlich
abgelehnte Ansinnen der USA, für die neuen Atomwaffen einen Teil
der sonst zur Verschrottung anstehenden Sprengköpfe
aufzubewahren, hat Putin schließlich geschluckt.
Nach Umsetzung der Vereinbarung wird Russland militärisch
kaum mehr eine Mittelmacht sein. Im Gegenzug erhielt der russische
Präsident lediglich die Zusage, dass die Vereinbarung nicht nur
per Handschlag mit Bush besiegelt wird, sondern durch ein
förmliches, von den Parlamenten ratifiziertes Abkommen. Putins
viele innenpolitische Kritiker, die dem Präsidenten den
Ausverkauf russischer Interessen vorwerfen, werden sich davon ebenso
wenig beruhigen lassen wie durch die neue Vereinbarung zwischen der
Nato und Russland. Denn diese Vereinbarung besiegelt lediglich die
Unterordnung der russischen Außenpolitik unter den
"Krieg" der USA und ihrer Nato-Verbündeten gegen
Terrorismus und "Schurkenstaaten" und den - völlig
selektiven - Kampf gegen die Weiterverbreitung von
Massenvernichtungsmitteln.
Diese Unterordnung begann bereits vor dem 11. September
letzten Jahres, ist seitdem aber manifest geworden. Im Gegenzug
für freie Hand bei der "Terrorismusbekämpfung" in
Tschetschenien unterstützt Moskau den inzwischen seit über
sieben Monaten anhaltenden "Selbstverteidigungs"krieg der
USA in Afghanistan und duldet die - auf Dauer angelegte -
Präsenz amerikanischer Truppen in ehemaligen zentralasiatischen
Republiken der Sowjetunion. Wenn Bush demnächst zum Feldzug
gegen Irak bläst, wird Moskau kein Veto einlegen.
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