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TAZ
03. Dezember 2002 |
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Richterinnen lassen hoffen
Strafgerichtshof: Kandidatinnen wie nirgends sonst
Andreas Zumach
Über 52 Prozent der Weltbevölkerung sind Frauen. Auch in
fast allen der 192 UNO-Staaten sind mehr als die Häfte der
EinwohnerInnen weiblich. Da sollte es eine
Selbstverständlichkeit sein, dass Frauen auch beim neuen
Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) sowie in allen anderen
internationalen Organisationen und Institutionen, die per Auftrag dem
Wohl und den Bedürfnissen der gesamten Menschheit verpflichtet
sind, zu mindestens 50 Prozent vertreten sind. Und zwar nicht nur als
Reinigungspersonal und in den Sekretariaten.
Doch die Realität ist nicht so. Maximal 25 Prozent der
internationalen Fachposten und -stellen sind von Frauen besetzt. Je
höher die Führungsebene, desto geringer ist der
Frauenanteil. Die Zahl der Frauen an der Spitze von
Sonderorganisationen des UNO-Systems ist in den letzten zwei Jahren
sogar rückläufig. Bei der Besetzung von Delegationen,
Diskussionspodien oder Redelisten wird die vor einiger Zeit noch
selbstverständliche Quotierung heute oftmals nicht einmal mehr
angemahnt. Selbst das Gequatsche von "Frauen und anderen
Minderheiten" kommt manch einem internationalen Funktionär
oder UNO-Diplomaten heute wieder ungestraft von den Lippen.
Damit spiegeln sich auf der internationalen Ebene exakt die
Situation und die Rückschläge, die auch in fast allen
Nationalstaaten zu beobachten sind. Warum sollte es auch anders sein?
Angesichts dieser Realitäten ist die seit dem Wochenende
deutlich gestiegene Aussicht auf ein Drittel bis über die
Hälfte Frauen auf den Richterposten des IStGH eine große
Hoffnung. Sicher: Eine harte, eindeutige 50-Prozent-Quotierung
für die Besetzung der 18 Richterposten bereits im 1998
vereinbarten Statut des IStGH wäre besser gewesen als die erst
nachträglich im September dieses Jahres vereinbarten
komplizierten Wahlverfahrensregeln. Doch die mit diesen Regeln
durchgesetzte indirekte Quotierung durch die Hintertür - eine
Premiere im internationalen Politikgeschäft - hat bereits ihre
politische Dynamik entfaltet. Die Nominierung von jetzt immerhin zehn
Frauen hätte im September noch niemand vorauszusagen gewagt.
Das ist ein großer Erfolg der Nichtregierungsorganisationen
und der wenigen Staaten, die sich beharrlich für verbindliche
Regeln eingesetzt haben. Bleiben sie bis zur Wahlkonferenz im Februar
wachsam und am Ball, dann ist sogar nicht ausgeschlossen, dass alle
zehn nominierten Frauen auch zu Richterinnen beim IStGH gewählt
werden. Das könnte dazu führen, dass auch in anderen
internationalen Organisationen und Institutionen endlich verbindliche
Wege für eine stärkere und schließlich
gleichberechtigte Partizipation von Frauen eingeschlagen werden.
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