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TAZ
02. September 2002 |
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Europa hat eine Chance verpasst
Das Treffen der EU-Aussenminister: Washington kann zufrieden sein
Andreas Zumach
Washington kann mit den Ergebnissen des
EU-Außenministertreffens in Helsingör zu den Themen
Internationaler Strafgerichtshof (IStGH) und Irak zufrieden sein. Die
Bush-Administration kann nun mindestens bis zum nächsten Treffen
am 30. September ihre Sabotagebemühungen gegen den IStGH
ungestört fortsetzen und weitere Staaten durch Druck und
Erpressung zu bilateralen Immunitätsabkommen mit Washington
nötigen. Und sollte bis dahin der britische
"Kompromissvorschlag" zum EU-Konsens werden, hätte
Washington sich vollends durchgesetzt. Denn der Vorschlag ist ein
eindeutiger Verstoß gegen das IStGH-Statut. Das bewerten selbst
die Rechtsabteilungen der Außenministerien in London und Rom
so, die sich allerdings politischen Vorgaben ihrer Chefs Straw und
Berlusconi beugen müssen.
Tatsächlich gibt es keine vorstellbare Formel, mit der sich
die amerikanische Forderung erfüllen und zugleich die
Integrität des IStGH-Statuts bewahren lässt. Neben den
EU-Mitgliedern werden rund 140 weitere Staaten von den USA mit dem
Ansinnen auf ein bilaterales Immunitätsschutzabkommen
bedrängt. Eine klare Ablehnung dieses Ansinnens durch die EU zum
jetzigen Zeitpunkt hätte eine von vielen dieser Staaten dringend
benötigte Unterstützung bedeutet, dem massiven Druck aus
Washington zu widerstehen. Selbst wenn wegen der Haltung Londons und
Roms nur 13 der 15 Außenminister in Helsingör gemeinsam
eine solche klare Haltung formuliert hätten, wäre das ein
wichtiges Unterstützungssignal gewesen. Warum der deutsche
Außenminister Joschka Fischer in dieser Situation dennoch einer
gemeinsamen Haltung der EU Priorität gab, bleibt sein Geheimnis.
Schon als er im Juli nach dem IStGH-Streit mit den USA im
UNO-Sicherheitsrat das angeblich "geschlossene Auftreten aller
EU-Staaten" pries, stieß dies auf großes Befremden
auch im Auswärtigen Amt. Fischer ist dabei, die hohe
internationale Glaubwürdigkeit des deutschen Engagements
für einen unabhängigen, effektiven IStGH zu verspielen.
Beim Thema Irak markierte der Bundesaußenminister in
Helsingör zwar verbal deutlichere Positionen. Doch weder von
Fischer noch von einem seiner Amtskollegen kam eine Initiative
für die seit langem überfällige Einmischung der
Europäer in die bislang weitgehend von den USA kontrollierten
Verhandlungen zwischen Irak und der UNO über eine Wiederaufnahme
der Waffeninspektionen. Beim nächsten
EU-Außenministertreffen ist es für eine derartige
Initiative vielleicht schon zu spät.
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