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TAZ
31. August 2001 |
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Ein Gipfel, vom Scheitern bedroht
Die Aussichten auf eine Abschlusserklärung von Durban sind
gering: Über die Bewertung des Zionismus sind selbst die NGOs
zerstritten.
Andreas Zumach
Heute beginnt im südafrikanischen Durban die dritte
"Weltkonferenz der UNO gegen Rassismus, rassische
Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und andere Formen der
Intoleranz". In der Hafenstadt am Indischen Ozean werden knapp
7.000 Regierungsdelegierte aus rund 190 Ländern erwartet -
darunter 20 Staatschefs vornehmlich aus Afrika - und ebenso viele
Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Als
Generalsekretärin der Konferenz fungiert Mary Robinson, die
UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte.
Überschattet wird die Weltkonferenz - wie schon ihre beiden
Vorgänger in den Jahren 1978 und 1983 - von heftigen
Auseinandersetzungen über die Politik Israels sowie die
Bewertung von Kolonialismus, Sklaverei und Rassentrennung der letzten
500 Jahre. Die Gefahr, dass sich die Konferenz nicht auf ein
gemeinsames Abschlussdokument einigen kann, ist größer als
bei den anderen sieben thematischen Weltkonferenzen, die die UNO seit
1992 durchgeführt hat. Die USA wollen nach der Absage von
Außenminister Colin Powell erst in letzter Minute entscheiden,
ob sie überhaupt teilnehmen. Einem Boykott Washingtons
würde sich Israel anschließen.
Die Weltkonferenz soll sich "mit praktischen Schritten zur
Überwindung des Rassismus" befassen, dazu zählen auch
"Maßnahmen der Vorbeugung, der Erziehung und des
Opferschutzes". Als die UNO-Generalversammlung im Dezember 1997
diese Ziele festlegte, herrschte noch Zuversicht auf einen
konstruktiven Verlauf. Die Rahmenbedingungen für eine
Antirassismus-Konferenz zu Beginn des neuen Millenniums schienen
günstig. Die Epoche des Kalten Krieges war ebenso
überwunden wie die Apartheid in Südafrika. Die
UNO-Vollversammlung hatte ihre umstrittene Resolution von 1975, in
der "Zionismus als eine Form des Rassismus und der
Rassendiskriminierung" bezeichnet wurde, 1991
zurückgenommen. Seit dem Oslo-Abkommen 1993 herrschte weltweit
Hoffnung auf eine dauerhafte Befriedung des
israelisch-palästinensischen Konflikts.
Doch vor allem diese letzte Rahmenbedingung hat sich in den
letzten zwölf Monaten entscheidend verändert. Angesichts
der dramatischen Eskalation in Israel/Palästina stehen die
Regierungen der arabischen und islamischen Staaten unter massivem
innenpolitischem Druck, in Durban eine möglichst scharfe
Verurteilung Israels durchzusetzen. Die arabisch-islamische
Staatengruppe hat zwar zu keinem Zeitpunkt des Vorbereitungsprozesses
eine platte Gleichsetzung des Zionismus mit Rassismus gefordert.
Obwohl dies die Regierungen der USA und Israels immer wieder
behauptet hatten. Doch beharrt die arabische Welt darauf, dass in den
Abschlussdokumenten die Formulierung "große Besorgnis
über einen Anstieg rassistischer Praktiken des Zionismus"
auftaucht. Die Politik Israels gegenüber den Palästinensern
soll als "Holocaust" und neue "Form der
Apartheid" verurteilt werden.
Für diese Formulierungen finden die arabischen Staaten nur
bei wenigen afrikanischen und asiatischen Ländern
Unterstützung. Die USA und die EU lehnen sogar jegliche konkrete
Erwähnung des "Nahostkonflikts" als eine
"unakzeptable Singularisierung Israels" ab. Daher hat auch
der letzte Kompromissvorschlag, in dem der
israelisch-palästinensische Konflikt mit vagen Worten und sehr
ausgewogen beschrieben wird, keine Chance.
Selbst die NGOs sind über das Nahost-Thema tief zerstritten.
Der Vorschlag südafrikanischer Gruppen für eine gemeinsame
Erklärung, der ähnliche Formulierungen wie der arabische
Entwurf enthält, wird von westlichen NGOs sowie von amnesty
international und anderen internationalen
Menschenrechtsorganisationen abgelehnt.
Die Absage von US-Außenminister Powell stieß in den
USA indes auf scharfe Kritik. Der schwarze Bürgerrechtler und
ehemalige Präsidentschaftsbewerber Jesse Jackson erklärte
in Anspielung auf die Auseinandersetzung um die Sklaverei
während des Bürgerkrieges Mitte des 19. Jahrhunderts, die
Bush-Administration habe sich bei der Absage von der
"konföderierten Ideologie des rechten Flügels der
Republikaner leiten lassen". Nach Überzeugung vieler
Organisationen der Afro- und der asiatischstämmigen Amerikaner
diente das Thema Nahost der Bush-Administration nur als Vorwand, weil
sie sich in Durban nicht der Diskussion über Sklaverei,
Kolonialismus und Rassentrennung stellen wolle.
Tatsächlich zeigte Washington bei diesem zweiten großen
Streitthema bislang keinerlei Kompromissbereitschaft. Obwohl die
afrikanischen und asiatischen Regierungen inzwischen ihre Forderung
nach Entschädigung fallen gelassen haben, verweigern die USA
gemeinsam mit Großbritannien weiterhin eine
"Entschuldigung", weil dieser Begriff laut
angelsächsischer Interpretation des Völkerrechts eine
Rechtsgrundlage für Entschädigungsklagen bietet. Gemeinsam
mit der EU lehnen die USA auch die Klassifizierung von Kolonialismus,
Sklaverei und Rassentrennung als "Verbrechen gegen die
Menschheit" ab. Denn dieser Straftatbestand sei erst nach 1945
in das Völkerrecht aufgenommen worden. Die EU ist überdies
lediglich bereit, "einige Aspekte des Kolonialismus" zu
verurteilen. Zeigt der Westen nicht mehr Kompromissbereitschaft,
droht spätestens zum Konferenzende am nächsten Freitag eine
Kampfabstimmung mit ungewissem Ausgang.
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