TAZ
28. Juni 2001

 

Es fehlen der Wille und das Geld

Andreas Zumach

In Südafrika und Simbabwe werden bis 2010 voraussichtlich ein Drittel der heute 15- bis 49-Jährigen an Aids sterben; in Botswana ist die durchschnittliche Lebenserwartung bereits auf 40 Jahre gesunken. Das sind düstere Fakten aus den Ländern, die am schlimmsten von der Immunschwächekrankheit betroffen sind. Experten befürchten in den nächsten Jahren ähnliche Entwicklungen in einigen asiatische Staaten.

Muss uns nicht kümmern, ist alles weit weg? Falsch. In den Staaten Osteuropas explodiert die Zahl der HIV-Infizierten wie bislang nur in Südafrika, allein in Russland verdoppelte sie sich im letzten Jahr auf 300.000. In Westeuropa und den USA registrieren Gesundheitsexperten vor allem bei Jugendlichen einen alarmierenden Rückgang von Risikobewusstsein und Präventionsbereitschaft.

Gemessen an diesen dramatischen Realitäten ist der New Yorker Aidsgipfel der UNO gescheitert. Die Industriestaaten des Nordens sowie Südafrika bewiesen mit dem Fernbleiben ihrer Staats-und Regierungschefs ebenso Desinteresse und Ignoranz wie die islamischen Staaten und der Vatikan mit der Ausgrenzung von Prostituierten, Homosexuellen und anderen Risikogruppen. Deutlichstes Indiz für das Scheitern der UNO-Konferenz ist aber die weiterhin mangelnde Bereitschaft vor allem der reichen Länder des Nordens, die erforderlichen Mittel für eine effektivere Aidsbekämpfung jetzt - und nicht erst in fünf oder zehn Jahren - bereitzustellen, etwa durch großzügige Beiträge in den von UNO-Generalsekretär Annan angeregten "Globalen Fonds".

Aids hat in den letzten zwanzig Jahren Kosten von mindestens 500 Milliarden US-Dollar verursacht. Gemessen daran sind die von Annan geforderten sieben bis zehn Milliarden Dollar jährlich für den Globalen Fonds wenig. Dennoch wird 2001 voraussichtlich höchstens ein Viertel dieser Summe zusammenkommen. Zum Vergleich: um den befürchteten Computercrash zur Jahrtausendwende zu verhindern, dem nicht ein einziger Mensch zum Opfer gefallen ist, wurden weltweit rund 200 Milliarden Dollar ausgegeben. Sicher lassen sich allein mit mehr Geld nicht sämtliche Probleme überwinden - zum Beispiel kulturelle und religiöse Widerstände -, die einer erfolgreicheren Aidsprävention heute noch entgegenstehen. Doch die Umsetzung fast aller Maßnahmen, zu denen sich die Teilnehmer des New Yorker UNO-Gipfels in ihrer Abschlusserklärung feierlich "verpflichtet" haben, ist abhängig davon, dass deutlich mehr Geld bereitgestellt wird als bislang absehbar ist. Sonst bleibt die Erklärung Makulatur.