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TAZ
27. Juli 2001 |
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Gespräche über Waffen
Rußland und die USA wollen eine neue internationale Sicherheitsstruktur schaffen
Andreas Zumach
Zwischen Russland und den USA hat eine "neue Ära der
Zusammenarbeit" begonnen - zumindest nach Darstellung von
Condoleeza Rice, der nationalen Sicherheitsberaterin von
US-Präsident George Bush. Rice machte ihre Äußerung
gestern Mittag in Moskau nach einer Unterredung mit dem russischen
Verteidigungsminister Sergej Iwanow. Über den Verlauf ihres
Treffens mit Präsident Wladimir Putin wollte Rice am Abend die
Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz unterrichten.
Rice hält sich seit Mittwoch in Moskau auf zur Vorbereitung
der am letzten Sonntag beim Treffen Bushs mit Putin in Genua
vereinbarten "Konsultationen" über den Abbau
offensiver Atomwaffenarsenale beider Länder und die Zukunft des
Raketenabwehrvertrages ABM von 1972. Diese Konsultationen sollen
Anfang August zwischen Experten der Außen- und
Verteidigungministerien beginnen. Ziel sei die "Schaffung einer
neuen internationalen Sicherheitsstruktur", betonten Rice und
Iwanow gestern. Mit dieser Formulierung verbinden Moskau und
Washington allerdings weiterhin höchst unterschiedliche bis
gegensätzliche Vorstellungen.
Ginge es lediglich um die Reduzierung der auf beiden Seiten
jeweils noch rund 10.000 strategischen Atomwaffen, wäre eine
Einigung schnell möglich. Eine solche Vereinbarung wird jedoch
vor allem in Washington von einer Verständigung über
Defensivsysteme abhängig gemacht. Die Bush-Administration hat
unklar gemacht, dass sie ohne Rücksicht auf Bedenken in Moskau,
Peking oder bei den Nato-Verbündeten die Entwicklung eines
nationalen Raketenabwehrsystems zügig vorantreiben und noch vor
Ablauf von Bushs erster Amtszeit mit der Stationierung beginnen will.
Dafür will Washington völlig freie Hand.
Den ABM-Vertrag will Washington ersatzlos abschaffen -
vorzugsweise im bei den kommenden Konsultationen erzielten Konsens
mit Moskau, notfalls durch einseitigen Ausstieg. Vor jedem
künftigen Entwicklungs- und Stationierungsschritt des
Raketenabwehrsystems soll Russland lediglich informiert werden, aber
keine Einspruchsmöglichkeiten erhalten.
Die Regierung Putin ist entschieden gegen eine ersatzlose
Abschaffung des ABM-Vertrages. Moskau besteht auch für die
Zukunft auf einer völkerrechtlich verbindlichen Vereinbarung mit
Washington. Ob in Form eines im Konsens veränderten
(angepassten) ABM-Vertrages oder eines völlig neuen Abkommens,
ist nach den zum Teil widersprüchlichen Aussagen der letzten
Tage aus dem Moskauer Präsidentenpalast, dem Außen- und
dem Verteidigungsministerium sowie dem militärischen
Oberkommando nicht klar. Offen ist auch, ob die
widersprüchlichen Aussagen echte Kontroversen widerspiegeln oder
nur Ausdruck taktisch geschickter Arbeitsteilung sind.
Sicher ist, dass in Moskau derzeit noch sehr viel stärker als
in Washington über den Charakter einer künftigen
"internationalen Sicherheitsstruktur" debattiert wird. In
Washington gilt, dass diese "Sicherheitsstruktur" auch nach
Ende des Kalten Krieges weiterhin wesentlich auf Instrumenten
militärischer Drohung, Abschreckung und Abwehr beruhen soll. Von
vorrangigem geostrategischem Interesse für Washington sind dabei
der Nahe Osten, Ostasien sowie der Kaukasus und Zentralasien. In
Moskau gibt es - auch nach den Tschetschenienkriegen - immer noch
gewichtige Stimmen, die für die Konflikte in diesen Regionen auf
politische Lösungen setzen. Ob sich die Befürworter
politischer Konfliktlösungen durchsetzen, oder ob sich Russland
von den USA einbinden lässt als Juniorpartner für eine
vorrangig militärisch geprägte Kontrolle von
"Schurkenstaaten" und Konfliktregionen, wird wesentlich von
der Haltung der EU abhängen.
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