TAZ
20. März 2001

 

"Anwältin der Opfer" gibt auf

Mary Robinson, UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, verkündet auf der Sitzung der UNO-Menschenrechtskommission ihren Rücktritt. Sie übt scharfe Kritik an der "mangelnden finanziellen Ausstattung" ihrer Arbeit durch die UNO-Mitgliedsstaaten.

Andreas Zumach

Die UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, gibt auf. Nach Ablauf ihrer ersten vierjährigen Amtszeit im September stehe sie nicht weiter zur Verfügung, erklärte Robinson am Montag in Genf zum Auftakt der diesjährigen Sitzung der UNO-Menschenrechtskommission. Robinson begründete ihre Entscheidung mit "Schwierigkeiten und Zwängen" innerhalb der Vereinten Nationen sowie mit der "mangelhaften finanziellen" Ausstattung.

Für die Menschenrechtsarbeit der UNO stellen ihre 189 Mitgliedsstaaten weniger als zwei Prozent des Gesamthaushalts zur Verfügung. Dies wurde bereits von Robinsons Vorgänger Ayala-Lasso sowie von Amnesty International und anderen Menschenrechtsorganisationen als völlig unzureichend kritisiert.

Robinson erklärte, der Verzicht auf eine zweite Amtszeit sei ihr "sehr schwer gefallen". Sie litt offenbar stark unter der Diskrepanz zwischen den Normen im Menschenrechtsbereich und der Realität. Es sei oft frustrierend, die "feinen Reden" in der Menschenrechtskommission zu hören und die Wirklichkeit in den Ländern zu sehen. Sie werde jedoch eine "Anwältin für die Menschenrechte" bleiben und glaube, dass sie künftig außerhalb der Vereinten Nationen mehr erreichen könne.

Vor ihrer Berufung zur UNO-Hochkommissarin war Robinson sieben Jahre Präsidentin Irlands und hatte sich in diesem Amt sowie bereits zuvor als Anwältin insbesondere für Frauenrechte engagiert. Robinson wird noch die Weltkonferenz gegen Rassismus Anfang September in Durban vorbereiten.

In ihrem letzten Bericht vor der Menschenrechtskommission warnte Robinson vor einer Ausweitung des Konfikts in Makedonien. Die Sitzung der Kommission dürfte in diesem Jahr noch stärker als in der Vergangenheit durch die Austragung ungelöster politischer Konflikte in Nahost, Russland/Tschetschenien und China bestimmt werden.