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TAZ
16. August 2001 |
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Kritischer Blick auf die Menschenrechte in Deutschland
UNO nicht nur für Afrika
Andreas Zumach
Jetzt können sich auch deutsche Frauen direkt bei der UNO
über ihre Diskriminierung beschweren. Das ist keineswegs eine
unnötige Luxusoption. Zwar sind in Deutschland - anders als in
vielen Ländern vor allem außerhalb Europas - die gleichen
Rechte für Frauen in sämtlichen Lebensbereichen gesetzlich
festgeschrieben. Aber diese Rechte sind keineswegs ausreichend
verwirklicht.
Auch die Klagemöglichkeit vor dem Europäischen
Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg - einer Einrichtung, die
vergleichbar in anderen Weltregionen nicht existiert - macht den
fortan bestehenden Weg einer Beschwerde vor der UNO nicht
überflüssig. Denn mit weiten Bereichen der auch in
Deutschland herrschenden alltäglichen Diskriminierung von Frauen
hat sich der Straßburger Gerichtshof bis heute nicht befasst -
wohl aber der zuständige UNO-Ausschuss.
Die rot-grüne Bundesregierung brauchte unverständliche
anderthalb Jahre, um das UN-Protokoll zu ratifizieren, das den neuen
Beschwerdeweg eröffnet. Es enthält die Feststellung in
internationalem Rahmen, dass es in Deutschland Missstände im
Menschenrechtsbereich gibt. Eine solche selbstkritische Haltung, die
die Bundesregierung ähnlich auch vor einigen Monaten bei einer
UNO-Anhörung zu fremdenfeindlicher Gewalt in Deutschland
demonstrierte, ist ein Fortschritt gegenüber der alten
christlich-liberalen Koalition.
Diese Haltung bezog sich auf die bürgerlichen und zivilen
Grundrechte eines anderen Übereinkommens, des
UNO-Menschenrechtspakts von 1966. Anders verhält es sich bei den
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten dieses Paktes,
über deren Umsetzung in Deutschland zurzeit der zuständige
UNO-Ausschuss in Genf berät. Zahlreiche
Nichtregierungsorgansationen haben vor dem Ausschuss eine massive
Verletzung dieser Rechte kritisiert - zum Beispiel in
Altenpflegeheimen oder bei der Behandlung von
Sozialhilfeempfängern und "illegalen"
Flüchtlingen. Nächste Woche, wenn die Bundesregierung auf
die Vorwürfe antwortet, wird sich zeigen, ob sie sich weiter so
selbstkritisch gibt.
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