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TAZ
01. November 2001 |
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Thema Umwelt als Stolperstein
Die Europäische Union möchte ökologische Standards in Handelsverträge
aufnehmen. Doch bei der WTO kann sie sich damit nicht durchsetzen
Andreas Zumach
Bei der 4. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO),
die vom 9. bis 13. November in Katars Hauptstadt Doha stattfindet,
ist der Konfliktstoff nicht geringer als beim WTO-Treffen in Seattle
vor zwei Jahren.
Zwar billigte der Allgemeine Rat der 142 WTO-Staaten gestern in
Genf formell die letzten Kompromissvorschläge seines
Präsidenten Stuart Harbinson (Hongkong) als
Verhandlungsgrundlage. Doch in der Substanz ist nach wie vor keine
der bisherigen Streitfragen geklärt. "Dieses Dokument
beansprucht nicht, ein vereinbarter Text zu sein", stellt
Harbinson am Beginn seines Entwurfes für die
Abschlusserklärung ausdrücklich fest. Auch verzichtet er
auf die in den letzten zwei Jahren häufig zu hörende
Ankündigung, in Doha solle das "Mandat für eine neue
umfassende Verhandlungsrunde" zur weiteren Liberalisierung des
Welthandels erteilt werden.
Jetzt ist lediglich von der Aufnahme formeller Verhandlungen
frühestens nach der für 2003 geplanten 5. Ministerkonferenz
die Rede oder gar nur von einer "Fortsetzung" der
"Sondierungen" und "Beratungen", die bereits seit
Seattle stattfinden. Auf der Strecke blieb die gemeinsam von der EU,
Japan, Südkorea und der Schweiz erhobene, von den USA und vielen
Ländern des Südens aber abgelehnte Forderung nach Mandaten
zu Verhandlungen über Investitions- und Wettbewerbsregeln.
Die EU konnte sich auch mit ihrer Forderung nach Verhandlungen
über die Aufnahme von Umweltstandards in Handelsverträge
nicht durchsetzen. Die USA und fast sämtliche Staaten des
Südens lehnen diese Forderung als "versteckten
Protektionismus" ab. Der Entwurf für die Minister sieht
vor, dass die WTO-Arbeitsgruppe "Handel und Umwelt"
zumindest bis 2003 weiter über das Verhältnis zwischen
WTO-Abkommen und internationalen Umweltverträgen berät.
Ähnlich beschieden wird auch das Verlangen von EU,
US-Gewerkschaften und Menschenrechtsgruppen nach
Berücksichtigung sozialer Standards in WTO-Verträgen. Der
Entwurf wiederholt nur die 1997 vereinbarte Formel, für diese
Fragen sei "die Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
zuständig".
EU-Diplomaten machten im Vorfeld der gestrigen Genfer
WTO-Ratstagung ihre "erhebliche Unzufriedenheit" über
den Entwurf für die Ministererklärung deutlich. Am Thema
"Handel und Umwelt" könne "Doha noch
scheitern". Als "unakzeptabel" wiesen Vertreter der EU
sowie Japans, der Schweiz und Norwegens auch die Formulierungen zum
Thema Landwirtschaft zurück. Danach sollen die Minister als Ziel
für die seit Januar laufenden Agrarverhandlungen festlegen, dass
Exportsubventionen "schrittweise ganz abgebaut" und interne
Stützungmaßnahmen für die Landwirtschaft
"substanziell reduziert" werden. Vertreter der
Cairns-Gruppe, der die 15 größten Agrarexporteure
angehören und die von der EU seit Jahren eine schnelle
"Eliminierung" von Exportsubventionen fordert, geht der
Entwurf hingegen nicht weit genung.
Die größte Enttäuschung herrscht jedoch unter den
Staaten des Südens. Die von ihnen verlangten Verhandlungen
über eine Verschärfung der Anti-Dumping-Bestimmungen der
WTO hat Harbinson nicht in den Entwurf aufgenommen. Zum zweiten hat
der Ratspräsident das wichtigste gemeinsame Anliegen aller
Länder des Südens formal ganz aus der
Ministererklärung herausgehalten: Erleichterungen für die
Umsetzung der Abkommen, die 1994 zum Abschluss der
Uruguay-Welthandelsrunde vereinbart wurden. Seit Seattle liegen rund
100 Anträge aus Ländern des Südens auf dem Tisch, die
Umsetzungfristen für die dort beschlossene Liberalsierung der
Agrarmärkte zu verlängern. Über keinen von ihnen wurde
bisher entschieden. Nun schlägt Harbinson vor, über 40 von
ihnen in Doha zu befinden und 60 weitere zu verschieben.
In einem Separatdokument soll der seit Monaten schwelende Konflikt
zwischen handelsrelevanten Patentschutzbestimmungen (Trips) der WTO
und dem Zugang zu Medikamenten behandelt werden. Harbinson
schlägt zwei alternative Formulierungen vor: "Die
Trips-Regeln dürfen nicht dazu genutzt werden, den Zugang zu
bezahlbaren Medikamenten zu erschweren oder zu verhindern."
Hinter dieser Formulierung stehen die meisten Länder des
Südens unter Führung Brasiliens, Indiens und
Südafrika, die als führende Hersteller von Generika auch
ein wirtschaftliches Interesse haben. "Die Trips-Regeln sind
flexibel und lassen den Staaten - zumal in Ausnahmesituationen wie
der Aids-Epidemie - ausreichend Spielraum, die medizinische
Versorgung der eigenen Bevölkerung zu sichern." Diese
Position wird unterstützt von den USA, Japan und der Schweiz, in
der die weltgrößten Pharmakonzerne mit Patenrechten zu
Hause sind.
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