Erpressung zahlt sich aus
Jahrelang haben die USA ihre Beitragsschulden bei der UNO nicht
bezahlt, jetzt werden sie im Rahmen neuer Beitragsregelungen für
alle Staaten entlastet
Andreas Zumach
Hartnäckige Erpressung lohnt sich. Nachdem
die USA den Vereinten Nationen jahrelang völkerrechtlich
verbindliche Pflichtbeiträge in Höhe von rund 1,5
Milliarden Dollar vorenthalten haben, setzten sie jetzt eine
Verringerung ihrer Anteile am UN-Haushalt der UNO von bislang 25
Prozent auf 22 Prozent ab dem Haushaltsjahr 2004 durch.
Beim separat geführten Budget für die Friedensmissionen
sind die USA künftig mit 26 statt bisher 30 Prozent beteiligt.
Im Gegenzug will Washington jetzt sämtliche Altschulden
bezahlen. Deren Höhe ist allerdings weiterhin umstritten. Das
Haushaltsbüro der UNO beziffert sie auf 1,3 Milliarden Dollar,
der Kongress in Washington auf lediglich 926 Millionen.
Am letzten Wochenende stimmte die UNO-Vollversammlung der
Reduzierung der künftigen US-Beiträge zu - gleichzeitig
wurden die Berechnungskriterien für die prozentualen
Pflichtanteile sämtlicher 189 UNO-Mitglieder neu festgelegt.
Wichtigstes Kriterium ist künftig das Bruttosozialprodukt eines
Landes im Durchschnitt der letzten viereinhalb Jahre (bislang: sechs
Jahre). Weitere Kriterien sind die Schuldenbelastung, das
Pro-Kopf-Einkommen und Währungsschwankungen. Dieses neue
Berechnungsmodell tritt bereits zum 1. Januar 2001 in Kraft. Nach
einer Übergangsphase wird es dazu führen, dass Staaten wie
Südkorea, Singapur und Brasilien ab 2004 einen höheren
Prozentanteil am UNO-Haushalt übernehmen müssen. Für
Staaten mit einer rückläufigen Wirtschaftsentwicklung - wie
zum Beispiel Japan - ergibt sich eine leichte Reduzierung. Der Anteil
Deutschlands dürfte unverändert bleiben. Die Lücke,
die während der dreijährigen Übergangsphase entsteht,
soll durch eine Privatspende des Medienunternehmers Ted Turner (CNN)
in Höhe von 34 Millionen US-Dollar gedeckt werden.
Die USA hatten seit der ersten Administration von Präsident
Ronald Reagan (1980 bis 84) einen wachsenden Teil ihrer
Pflichtbeiträge am regulären Haushalt sowie am
Peacekeeping-Budget der UNO zurückgehalten. Zunächst wurde
diese völkerrechtswidrige Maßnahme mit politischer Kritik
an bestimmten UNO-Programmen begründet, später, unter
Präsident George Bush (ab 1988), mit "Ineffizienz" und
"Geldverschwendung" bei der Weltorganisation. Die
ursprüngliche Zusage des demokratischen Präsidenten Bill
Clinton (ab 1992), die inzwischen auf 1,5 Milliarden Dollar
angewachsenen Altschulden der USA vollständig zu begleichen und
künftige Pflichtbeiträge pünktlich zu entrichten,
wurde in den letzten acht Jahren von der republikanischen Mehrheit im
Kongress vereitelt.
Mit Hinweis auf angebliche nicht geldliche Leistungen der USA an
Peacekeeping-Missionen der UNO bezifferte der Kongress 1997 die
Altschulden auf lediglich 926 Millionen Dollar und machte deren
Begleichung von der Reduzierung der prozentualen Pflichtanteile der
USA abhängig.
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