Ausverkauf der UNO
UNO-Generalsekretär Kofi Anan schlägt "Global Compact" vor
Andreas Zumach
Wird eine Behauptung nur oft genug wiederholt, kann sie
unabhängig von ihrer Richtigkeit Bewusstsein und Handeln
prägen. Ein Beispiel hierfür ist der Mythos von der
Globalisierung, die die politischen Handlungsspielräume von
Nationalstaaten angeblich einschränkt. UNO-Generalsekretär
Kofi Annan ist diesem Mythos zunächst nicht aufgesessen. In den
ersten zwei Jahren seiner Amtszeit hat er die 188 UN-Mitgliedsstaaten
immer wieder aufgefordert, die Vereinbarungen der großen
UNO-Konferenzen der 90er-Jahre auch umzusetzen und zugleich das
UN-System durch politische und institutionelle Reformen sowie eine
bessere finanzielle Ausstattung in seiner Handlungsfähigkeit zu
stärken. Mit beiden Forderungen ist Annan weitgehend
gescheitert. Nicht, weil ihre Erfüllung wegen der Globalisierung
unmöglich gewesen wäre, sondern weil in jedem Fall
nationale Interessen der Mitgliedsstaaten dagegen standen.
Interessen, die oft von den Wünschen internationaler Konzerne
bestimmt wurden, schärfere Umweltstandards oder die Durchsetzung
wirksamer Sozial- und Arbeitsnormen zu verhindern.
Diese Zusammenhänge verschleiert der Generalsekretär,
wenn er jetzt mit seinem "Global Compact" verstärkt
auf diese Konzerne als "Partner der UN" setzt und ihnen das
prestigeträchtige UN-Emblem für ihre Werbung
überlässt. Partner, ja sogar gleichberechtigte Mitglieder
sind die Konzerne bereits seit Jahrzehnten, und zwar in der
Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Dennoch haben sie nicht
einmal die im Rahmen der ILO vereinbarten Arbeits- und Sozialnormen
umgesetzt.
Im "Global Compact" sind keinerlei
Überwachungsmechanismen für die Einhaltung seiner neun
Prinzipien vorgesehen. Ob ein Unternehmen bei Nichteinhaltung auf die
Verwendung des UN-Emblems in seiner Werbung wieder verzichten muss,
bleibt offen. Die Warnungen zahlreicher Nichtregierungsorganisationen
vor einem drohenden Ausverkauf der UNO an das Big Buisiness sind
berechtigt. In der Logik der Entwicklung, die Annan mit dem
"Global Compact" eingeleitet hat, wäre durchaus
vorstellbar, dass eines Tages die Deutsche Bank oder DaimlerChrysler
einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat erhalten.
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