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TAZ
26. Juni 2000 |
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Der UNO-Sozialgipfel ist kein Aufbruch, aber die Hoffnung bleibt
Die Globalisierungsfalle
Andreas Zumach
Wieder einmal zeigt sich eindrücklich: Den reichen Staaten
dieser Erde ist das Schicksal der armen Länder egal. Nur 26 von
185 eingeladenen Staats-und Regierungschefs nehmen an der Genfer
Nachfolgekonferenz zum Kopenhagener Sozialgipfel von 1995 teil - und
das, obwohl im Abschlussdokument von Kopenhagen auch für Genf
ausdrücklich die Teilnahme aller Staats- und Regierungschefs
vereinbart war. Aus dem industrialisierten Norden kommen
überhaupt nur Norwegen, Luxemburg und das Gastgeberland
Schweiz.
Die Abwesenheit vieler wichtiger Nationen passt zu der Tatsache,
dass die reichen Industriestaaten - mit rühmlicher Ausnahme
einiger skandinavischer Länder - ihre in Kopenhagen
übernommenen Verpflichtungen nicht ansatzweise erfüllt
haben. Andererseits werden aber auch gewichtige Regionalmächte
des Südens wie Indien, Brasilien, Südafrika oder Mexiko in
Genf nur mit Ministern oder Botschaftern vertreten sein. Denn sie
sind es leid und inzwischen wohl zu stolz, immer wieder als
missachtete Bittsteller aufzutreten.
Ganz offensichtlich markiert Genf weniger einen Aufbruch als das
Ende der UNO-Gipfelserie zu wichtigen globalen Fragen, die seit
Zusammenbruch der Ost-West-Blockordnung veranstaltet werden.
Inzwischen hat bei vielen Regierungen und
Nichtregierungsorganisationen ebenso wie in den Genfer und New Yorker
UNO-Zentralen Ernüchterung eingesetzt. Denn ähnlich wie die
Aktionsprogramme und Verpflichtungen von Kopenhagen wurden auch schon
diejenigen von Rio 1992 (Umwelt und Entwicklung), Wien 1993
(Menschenrechte), Kairo 1994 (Bevölkerung), Peking 1995 (Frauen)
sowie Istanbul 1997 (Habitat) bislang zum größten Teil
nicht umgesetzt.
Ein paar Jahre lang hat der Mythos von der für alle Menschen
dieser Erde segensreichen Globalisierung von dieser Tatsache
abgelenkt. Dieser Mythos wurde bereits in der offiziellen
Auftaktpressekonferenz zum Genfer Nachfolgegipfel selbst von
Weltbank-Vertretern zerrupft. Immerhin ein kleines hoffnungsvolles
Zeichen.
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