KFOR demonstriert Geschlossenheit
US-Soldaten dürfen wieder in den serbischen Norden der
geteilten Stadt Mitrovica im Kosovo. Diskussion um Teilung
Andreas Zumach
Die in Mitrovica stationierten
Nato-geführten Truppen der KFOR mühten sich gestern, dem
Eindruck entgegenzuwirken, ihre verschiedenen nationalen Kontingente
- insbesondere die Franzosen und die US-Amerikaner - hätten
Sympathien mit der serbischen bzw. der albanischen Konfliktpartei,
fühlten sich nur für einen Teil der Stadt verantwortlich
und verfolgten gegensätzliche Ziele im Kosovo. So beteiligten
sich gestern früh 300 US-amerikanische KFOR-Soldaten in voller
Kampfausrüstung zusammen mit Einheiten aus Großbritannien
und anderen Nato-Staaten an einer Razzia in serbisch bewohnten
Vierteln im Norden Mitrovicas. Gesucht wurden illegale Waffen. Die
KFOR habe mit dieser Aktion ihre Entschlossenheit deutlich machen
wollen, überall in Mitrovica hingehen zu können,
erklärte KFOR-Sprecher Oberstleutnant Michael Ellerbe.
Zuvor war verschiedentlich berichtet worden, die US-Truppen seien
seit den Zwischenfällen vom letzten Sonntag auf die Patrouille
einer von Albanern und Bosniaken bewohnten Enklave im Nordteil
beschränkt. Am Sonntag hatten US-amerikanische und deutsche
KFOR-Truppen eine Razzia in Norden der Stadt unter einem Hagel von
Steinen aufgebrachter Serben abbrechen müssen. Französische
KFOR-Truppen sahen aus Sympathie mit der serbischen Seite tatenlos
zu. Die französischen KFOR-Verbände, so wurde daraufhin
berichtet, seien durch ihr zögerliches Verhalten zu Beginn der
KFOR-Stationierung im Juni 1999 dafür verantwortlich, dass es
überhaupt zur Teilung Mitrovicas gekommen sei, und sie seien an
der Aufrechterhaltung dieser Teilung interessiert. Gegen ihnen
bekannte serbische Scharfschützenstellungen im Norden Mitrovicas
hätten die Franzosen nichts unternommen, stattdessen leisteten
sie den Serben sogar logistische Hilfe. In den Berichten wurden
namentlich nicht genannte US-amerikanische KFOR-Offiziere mit
erbosten Äußerungen über die Franzosen zitiert.
Diesen Berichten wird im Brüsseler Hauptquartier der Nato
entschieden widersprochen. Die Äußerungen einzelner
US-Offiziere seien "nicht repräsentativ" für die
Haltung des US-amerikanischen KFOR-Kommandos. Die Franzosen
hätten angesichts des engen, regelmäßigen
Informationsaustauschs zwischen den Kommandeuren sämtlicher
nationalen KFOR-Kontingente und der täglichen Abstimmung
über alle logistischen und militärischen Details gar keine
Möglichkeit, an den KFOR-Verbänden anderer Staaten vorbei
eine eigenständige, auf eine Teilung des Kosovo zielende Politik
zu betreiben.
Das französische KFOR-Kommando bekräftigte zugleich die
Absicht, allen aus dem Norden Mitrovicas vertriebenen und geflohenen
AlbanerInnen die Rückkehr in ihre Wohnhäuser zu
ermöglichen. Dasselbe gelte umgekehrt für alle früher
im Süden der Stadt lebenden SerbInnen. Allerdings wachsen die
Zweifel an der Möglichkeit, diese Ziele zu verwirklichen.
Angesichts der anhaltenden Gewalttätigkeiten mehren sich
unterdessen die Stimmen, die für eine - zumindest
vorläufige - Institutionalisierung der Teilung der Stadt
plädieren.
Bereits vor einigen Tagen hatte der Chef der zivilen
UNO-Verwaltung des Kosovo (Unmik), der Franzose Bernhard Kouchner,
öffentlich in Frage gestellt, ob sein offizieller Auftrag der
Wiederhestellung eines multiethnisch bewohnten Kosovo nicht revidiert
werden müsse. Ähnlich äußerte sich am Mittwoch
der ehemalige Bosnien-Beauftragte der EU, Hans Koschnick. Auf Grund
seiner Erfahrung in der zwischen Muslimen und Kroaten geteilten Stadt
Mostar in Bosnien-Herzegowina befürworte er eine
"vorläufige Teilung" von Mitrovica, "damit die
Leute nicht übereinander herfallen". Die internationale
Gemeinschaft brauche Geduld und müsse mindestens fünf bis
sechs Jahre für die Friedenssicherung einkalkulieren.
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