Fischers Dementi wird dementiert
EU-Vertreter bestätigen Berlins Blockade gegen
internationale Untersuchungskommission in Tschetschenien
GENF taz Auf Befremden und Widerspruch bei mehreren
EU-Partnern Deutschlands ist die Behauptung des Berliner
Auswärtigen Amtes gestoßen, in der Frage des Vorgehens zu
Tschetschenien in der Genfer UNO-Menschenrechtskommission habe es
"keinerlei Dissens in der Europäischen Union" gegeben,
sondern frühzeitig einen Schulterschluss.
Mit diesem Dementi hatte der Sprecher des Auswärtigen Amtes,
Andreas Michaelis, auf Berichte der taz und der FAZ vom
Mittwoch reagiert, über Kritik von Menschenrechtsorganisationen
und Diplomaten mehrerer EU-Staaten an der Haltung der
Bundesregierung. Unter anderem wurde der Vorwurf erhoben,
Bundesaußenminister Fischer habe in den letzten Wochen eine
kritischere Haltung der EU zu den russischen
Menschenrechtsverstößen "systematisch
hintertrieben" und damit die Chancen für eine angemessene
Behandlung dieses Themas durch die Genfer UNO-Kommission.
Von der taz befragte Diplomaten und Beamte aus
Außenministerien von acht EU-Staaten wiesen das Dementi des AA
übereinstimmend als "falsch" zurück.
"Außenminister Fischer sollte es besser wissen, er
verbreitet die Unwahrheit", erklärte ein hochrangiger
Diplomat eines größeren EU-Landes. Von allen Befragten
wurde übereinstimmend bestätigt, dass die Forderungen nach
einer internationalen Untersuchungskommission in erster Linie an den
Bedenken Deutschlands scheiterten.
Am Dienstag reichte die EU in Genf einen Resolutionsantrag ohne
diese Forderung ein. Aus Kreisen der portugiesischen
Ratspräsidentschaft der EU hieß es, "noch bis wenige
Stunden vor Einreichung dieses Antrages" sei "der Inhalt
der Textes heftig umstritten und unklar gewesen, ob überhaupt
ein gemeinsamer Entwurf zustande kommt".
Auf Erstaunen stieß bei den von der taz befragten Diplomaten
und Beamten auch die gestrige Erklärung des stellvertretenden
SPD-Vorsitzenden des Bundestages, Gernot Erler, wonach Moskau die
Kritik Berlins am Vorgehen der russischen Armee in Tschetschenien als
"die schärfste aller EU-Staaten" wertet. Die
Erklärung des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung,
Gerd Poppe, die Regierung habe sich mit Nichtregierungsorganisationen
"sehr intensiv über das Vorgehen zu Tschetschenien in der
Genfer UNO-Kommission beraten", wiesen Sprecher von amnesty
international (deutsche Sektion) und des Forum Menschenrechte
gegenüber der taz als "unzutreffend" zurück.
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