Minen-Konferenz in Genf unter Druck
Internationale Kampagne verlangt auch das Verbot von Antipanzerminen. Sie werden jetzt
vermehrt eingesetzt
Andreas Zumach
In der Genfer UNO-Zentrale beraten ab heute die Vertragsstaaten der Ottawa-Konvention
zum Verbot von Antipersonenminen über eine schnellere Umsetzung des seit März 1999 in
Kraft befindlichen Abkommens. Nichtregierungsorganisationen (NRO) haben die
Vertragsstaatenkonferenz aufgefordert, darüber hinaus die "gefährlichen
Lücken" der Konvention zu schließen und auch Antipanzerminen in das Verbot mit
aufzunehmen. Die Konvention verbietet Einsatz, Lagerung, Produktion und Weitergabe von
Antipersonenminen. Vereinbart wurde sie 1997 in Ottawa unter dem Druck der
"Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen". Kanada hatte die
Verhandlungen außerhalb des Rahmens der UNO initiiert, nachdem die Beratungen der Genfer
UN-Abrüstungskonferenz zum Thema Minen seit Jahren blockiert waren.
Inzwischen wurde die Konvention von 138 Staaten unterzeichnet und von 101 Staaten
ratifiziert. Unter den Unterzeichnern fehlen nach wie vor die drei ständigen Mitglieder
des UNO-Sicherheitsrats, die USA, Russland und China. Lediglich Peking wird mit einer
Beobachterdelegation an der bis Freitag dauernden Genfer Konferenz vertreten sein, zu der
knapp 500 Diplomaten, Minenexperten und Überlebende von Minenunfällen erwartet werden.
Sie wollen u.a. über die schnellere Räumung der rund 110 Millionen Minen beraten, die
nach Angaben der UNO derzeit noch in 70 Ländern gelegt sind und in erster Linie
Zivilisten gefährden. Laut Angaben von Hilfsorganisationen werden jeden Monat rund 2.000
Menschen - in der Mehrzahl Kinder und Jugendliche - durch explodierende Minen getötet
oder verstümmelt. Die Kosten für die Räumung der 110 Millionen Minen belaufen sich
UNO-Schätzungen zufolge auf rund 33 Milliarden Mark. Wegen Geldmangels musste die UNO vor
zwei Wochen ein Minenräumprogramm in Afghanistan einstellen, wo seit der sowjetischen
Invasion von 1979 mehr Minen verlegt wurden, als in irgendeinem anderen Land der Erde.
Auf der Verbotsliste von Ottawa stehen nur Antipersonenminen. Nicht verboten sind
Antipanzerminen. Sie können auch von Zivilfahrzeugen ausgelöst werden und enthalten
zudem oftmals noch eine integrierte Antipersonenmine zum Schutz gegen Räumung durch den
militärischen Gegner.
Nach Angaben der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen - einem
Zusammenschluss von 1.000 NRO aus 60 Staaten - handelt es sich bei 20 Prozent der derzeit
weltweit verlegten Minen um Antipanzerminen. Ihr Einsatz sei seit dem Verbot der
Antipersonenminen verstärkt worden. Die Kampagne verlangt das Verbot aller
Antipanzerminen. Die Berliner Regierung solle dabei eine "Vorreiterrolle"
spielen, forderte der Deutsche Initiativkreis für das Verbot aller Landminen im Vorfeld
der Genfer Konferenz. Erste konkrete Schritte müssten ein Exportverzicht und die
Vernichtung aller Antipanzerminen aus den Beständen der Bundeswehr sein, die von Personen
ausgelöst werden. Deutschlands Nato-Partner Kanada und Italien haben bereits die
Vernichtung derartiger Minen beschlossen.
|