Der "Milleniumsgipfel" der Vereinten Nationen tagt in
New York
Überflüssige Veranstaltung Andreas Zumach
Internationale Gipfelkonferenzen können durchaus konstruktive Ergebnisse erbringen.
Daraus beziehen sie ihre Berechtigung, auch wenn die internationalen Treffen - wie der New
Yorker "Millennium Summit" der Vereinten Nationen - die Steuerzahler sowohl in
den Teilnehmerstaaten als auch im Gastgeberland sehr viel kosten und zudem mit erheblichen
Belastungen für die Bewohner des Gipfelortes verbunden sind. Die
amerikanisch-sowjetischen Präsidentengipfel der 80er-Jahre erbrachten wesentliche
Fortschritte, ja Durchbrüche für die atomare Abrüstung; die thematischen
Gipfelkonferenzen der UNO in den 90er-Jahren dienten der Verständigung über die
zentralen globalen Probleme und ersten Vereinbarungen zu ihrer Überwindung; der
kürzliche Gipfel zwischen den Präsidenten Nord- und Südkoreas schließlich war ein
erster notwendiger Schritt der Vertrauensbildung nach 50 Jahren Kalter Krieg.
Der "Millenniumsgipfel" der UNO hingegen, der gestern Abend in New York
begann, lässt kein greifbares Ergebnis erwarten, das eine so aufwendige und kostspielige
Veranstaltung rechtfertigen würde. Denn unter den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen
ist keine ausreichende Bereitschaft vorhanden, sich in verbindlicher Form auf die von
Generalsekretär Annan so oder ähnlich in den letzten zwölf Monaten bereits mehrfach
unterbreiteten Beschlussempfehlungen einzulassen. Mit der Aussperrung der
Nichtregierungsorganisationen von der Gipfelveranstaltung halten sich die Regierungen
zudem die Debatte über den von Annan betriebenen Partnerschaftskurs mit der
Privatwirtschaft vom Hals.
Für eine Bestimmung von Rolle und Aufgaben der UNO im 21. Jahrhundert ist diese
Debatte aber unerlässlich. So ist beim "Millenniumsgipfel" lediglich mit einem
Marathon von 152 unverbindlichen Fünf-Minuten-Statements zu rechnen. US-Präsident Bill
Clinton wird in New York seinen Abgang von der internationalen Bühne zelebrieren; für
seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin ist der Auftritt dort die Premiere auf
dieser Bühne. Bundeskanzler Gerhard Schröder lässt sich nach nur knapp zweijähriger
Amtszeit einen Orden für "weltmännische Verdienste" umhängen. Und sicher wird
Kubas Staatschef Fidel Castro in den nächsten Tagen in New York für die eine oder andere
Schlagzeile sorgen.
Im besten Fall werden Clinton, Israels Präsident Ehud Barak und der Palästinenserchef
Jassir Arafat bei Geprächen am Rande des "Millenniumsgipfels" Fortschritte im
Nahost-Friedensprozess machen. Aber braucht es dafür die größte Gipfelveranstaltung in
der Geschichte der Vereinten Nationen?
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