Handel soll weltweit sozial werden
Arbeitsminister Riester fordert, Welthandelsorganisation WTO und
Internationale Arbeitsorganisation ILO müssten
zusammenarbeiten
Andreas Zumach
Bundesarbeitsminister Walter Riester hat die internationale
Durchsetzung und Einhaltung von sozialen Mindeststandards und
grundlegenden Arbeitnehmerrechten gefordert. "Idealerweise"
müsse dies durch eine Zusammenarbeit zwischen der
Welthandelsorganisation (WTO) und der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) durchgesetzt werden, erklärte Riester
am Montag in Genf vor der ILO-Jahresversammlung.
Der Minister kritisierte die "mangelnde Bereitschaft"
zahlreicher Regierungen, sich verbindlich auf eine Durchsetzung der
in maßgeblichen Übereinkommen der ILO vereinbarten
grundlegenden Arbeitnehmerrechte festzulegen. Deutlich werde dies bei
den Beratungen über das Schlussdokument für die Ende Juni
in Genf stattfindende Sondergeneralversammlung der UNO fünf
Jahre nach dem Weltsozialgipfel von Kopenhagen.
Riester äußerte in seiner Rede zwar
"Verständnis" für die "vor allem in
Entwicklungsländern verbreitete Besorgnis, die sozialen
Mindeststandards könnten dazu missbraucht werden, den Zugang
ihrer Erzeugnisse zu den Weltmärkten zu erschweren".
Tatsächlich sei ein "fantasievoller Egoismus" vieler
Staaten bei der Bewahrung von Marktanteilen "nicht zu
bestreiten". Dennoch könne es für den Welthandel
"keinen Freiraum geben, in dem die soziale Gerechtigkeit
außer Kraft gesetzt ist".
Die Bundesregierung hat bislang kein Konzept für die
Kooperation zwischen ILO und WTO zur Durchsetzung von Sozialstandards
und Arbeitnehmerrechten. Sollen die schon bestehenden - und
künftige - ILO-Normen durch Aufnahme in das WTO-Regelwerk
durchgesetzt werden - das hieße notfalls auch mittels
Wirtschaftssanktionen? Oder sollen innerhalb der ILO eigene
Durchsetzungsmechanismen vereinbart werden?
Auch fehlt der Bundesregierung bisher eine Strategie, um die - vor
allem durch die Rhetorik der US-Regierung verursachte - Wahrnehmung
fast aller Regierungen des Südens zu verändern, die
Forderung nach der Umsetzung von Arbeits- und Sozialstandards diene
lediglich zur Tarnung protektionistischer Interessen der
Industriestaaten. WTO-Generaldirektor Mike Moore lehnte Riesters
Forderungen gestern ab: "Bereits in ihrer heutigen Form"
dienten die Standards den Interessen von Arbeitern und
Verbrauchern.
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