Kampf gegen Armut
UN-Generalsekretär fordert im Millenniumsreport Programme
für die Verlierer der Globalisierung und verteidigt
"humanitäre Interventionen"
Andreas Zumach
UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat dazu aufgerufen, die
"Früchte der Globalierung gerechter" unter den sechs
Milliarden Erdbewohnern zu verteilen. In seinem
"Millenniumsreport" vor der Generalversammlung in New York
forderte Annan am Montag auch eine Überprüfung der
Sanktionsinstrumente der Weltorganisation und sprach sich erneut
für bewaffnete "humanitäre Interventionen" gegen
schwere Menschenrechtsverletzungen aus. Zudem mahnte Annan vor den
188 Mitgliedstaaten die Stärkung und Reform der Vereinten
Nationen an, um ihre Möglichkeiten zur Sicherung des
Weltfriedens zu verbessern.
Laut Annan beschränken sich die positiven Auswirkungen der
Globalisierung bislang auf wenige Staaten und eine kleine Minderheit
der Weltbevölkerung. Für die große Mehrheit habe die
Globalierung wirtschaftliche Unsicherheit und größere
soziale Verwundbarkeit mit sich gebracht.
Wirksame Schuldenerleichterungen und eine deutlich stärkere
Marktöffnung der nördlichen Industriestaaten für Waren
aus den Ländern des Südens seien die wesentlichen
Voraussetzungen, damit die "Globalisierung zur positiven Kraft
für alle wird", betonte der UNO-Generalsekretär. Von
den Mitgliedstaaten verlangte er die Vereinbarung eines verbindlichen
Aktionsprogramms mit konkreten Zielen: u. a. solle die Zahl der
1,2 Milliarden Menschen, die in extremer Armut leben (d. h. von
weniger als einem US-Dollar pro Tag), bis 2015 auf die Hälfte
verringert werden. Ebenfalls bis 2015 müsse für alle Kinder
eine vollständige Primarschulausbildung garantiert sein sowie
der Anteil der Menschen, die keinen Zugang zu sicherer
Trinkwasserversorgung haben, von 20 Prozent der Weltbevölkerung
auf zehn Prozent halbiert werden.
Der Generalsekretär wiederholte sein Plädoyer für
das Konzept bewaffneter "humanitärer Interventionen"
gegen schwere und systematische Menschenrechtsverletzungen, mit dem
er vor der letztjährigen Generalversammlung heftigen Streit
ausgelöst hatte. "Wenn es zu Völkermord und Verbrechen
gegen die Menschlichkeit kommt und friedliche Mittel
ausgeschöpft sind", habe "der Sicherheitsrat eine
moralische Pflicht, im Namen der internationalen Gemeinschaft zu
handeln", erklärte Annan. Das gelte auch, wenn das
"wichtige Prinzip der staatlichen Souveränität
verletzt" werde. Eine bewaffnete Intervention dürfe aber
"immer nur das letzte Mittel sein".
Die UNO-interne Debatte wird wesentlich durch die Erfahrungen mit
dem Nato-Luftkrieg gegen Jugoslawien bestimmt, den Annan Anfang April
letzten Jahres vor der UNO-Menschenrechtskommission unterstützt
hatte - obwohl damals kein Mandat des Sicherheitsrates vorlag.
Mit Blick auf Wirtschaftssanktionen und ihre häufig
gravierenden Folgen für die Zivilbevölkerung - wie im Irak
- forderte Annan die Entwicklung "kluger Sanktionen". Sie
müssten zielgerechter geplant und angewandt werden.
"Pervers" sei es, dass Machthaber Sanktionen oft als
Vorwand zur Bekämpfung der Opposition missbrauchten.
Unter dem Stichwort "Stärkung der UNO" mahnte der
Generalsekretär die seit Anfang der 90er Jahre ergebnislos
diskutierte Reform des Sicherheitsrates an. Die Zusammensetzung des
Gremiums aus fünf ständigen und zehn im Zweijahresrythmus
wechselnden Mitgliedern müsse so reformiert werden, dass der Rat
"seine Aufgben besser erfüllen kann und wieder eine
größere Legitimität in den Augen aller Völker
erhält", betonte Annan.
|