19. Oktober 2008


Seoul und Washington: Streumunition bis 2024

von Otfried Nassauer

Südkorea hat für rund 144 Millionen € (271 Mrd Won) mehr als 250.000 Tonnen Munition von den USA gekauft. Zu dem Muntionspaket gehören große Mengen umstrittener Streumunition. Im Dezember wollen mehr als 100 Staaten solche Munitionen völkerrechtlich ächten, weil sie als Blindgänger auch noch lange nach einem Krieg eine große Gefahr für Zivilisten darstellen.

Den Verkauf vereinbarten die Verteidigungsminister beider Länder, Robert Gates und Lee Sang-hee, bei ihrem jährlichen Treffen am vergangenen Wochenende. Rund 100 verschiedene Munitionstypen gehören zu dem Paket, darunter Luft-Boden-Raketen und Munition für Panzer, Mörser und Artilleriegeschütze. Sie sind Teil einer Kriegsreserve von rund 600.000 Tonnen Munition, die teilweise mehr als 20 Jahre alt ist. Mit ihr sollte im Fall eines Konfliktes mit Nordkorea die Zeit bis zum Eintreffen amerikanischer Verstärkung überbrückt werden.

Washington hatte das Abkommen, auf dessen Grundlage die Munition in Südkorea gelagert wurde, vor zwei Jahren gekündigt. Südkorea bot man an, die Munition zu kaufen. Sollte daran kein Interesse bestehen, werde Washington sie ab Ende 2008 abtransportieren. Im Kontext von Verhandlungen über eine Neuaufteilung der Kosten für die Stationierung von US-Truppen in Südkorea behält Seoul nun knapp die Hälfte der Munition.Es bezahlt sie mit Unterstützungsleistungen für die rund 27.000 US-Soldaten im Land und übernimmt den Abtransport der restlichen U.S.-Kriegsreserve „in andere Länder“. So der staatliche koreanische Rundfunksender KBS. Washington versprach Südkorea zudem, das Land weiterhin im Ernstfall militärisch massiv zu unterstützen.

Ausgenommen von den Abzugsplänen bleibt eingelagerte Streumunition. Sie sollen bis 2024 für „strategische Zwecke“ in Südkorea verbleiben, so ein Sprecher des Seouler Verteidigungsministeriums.

Streumunitionen sollen im Dezember durch ein internationales völkerrechtliches Abkommen verboten werden. Mehr als 100 Staaten wollen in Oslo einen Vertrag unterzeichnen, der die Herstellung, Lagerung und den Einsatz von Streubomben und Streumunition ächtet und erstmals die internationale Staatengemeinschaft zur Opferhilfe verpflichtet. Diese Waffen wirken unterschiedslos gegen Soldaten und Zivilisten- und das auch noch lange nach einem Krieg. Die USA und Korea wollen dem Abkommen nicht beitreten. Durch ihre bilaterale Vereinbarung schaffen sie sich einen Vorwand ihm noch lange fernzubleiben.


 

ist freier Journalist und leitet das Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit - BITS