BITS Stichwort
22.Januar 2016
Aktualisierte Version von 2012
Originalversion von 2005


Der Tornado – ein deutscher Nuklearwaffenträger

von Otfried Nassauer


Die Bundesrepublik Deutschland stellt im Kontext der Nuklearen Teilhabe der NATO seit Jahrzehnten Kampfflugzeuge als fliegende Trägersysteme für US-Atomwaffen bereit. Im Jahr 2010 wurden bis zu 46 Tornados in abgestufter Bereitschaft für den Einsatz nuklearer Waffen vorgehalten.[ 1 ] Knapp 20 Atombomben der Typen B61-3 und B61-4 lagern am Standort des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 in Büchel in der Eifel in diesem Kontext.

Auf dem NATO-Gipfels von Chicago beschloss die Allianz 2012, an der Stationierung von rund 180 nuklearen US-Bomben in Europa bis auf Weiteres festzuhalten.[ 2 ] Die USA entwickeln seit einigen Jahren unter der Bezeichnung B61-12 eine neue Version dieser Bombe, die zu Beginn des nächsten Jahrzehnts auch in Europa stationiert werden soll. Dann werden die die deutschen (und italienischen) Trägerflugzeuge vom Typ Tornado über 30 Jahre alt sein. Im Jahr 2016 soll deshalb entschieden werden, wie der Tornado bis in die 2030er Jahre im Dienst gehalten werden kann.


Flugzeug und Bewaffnung

Der Tornado ist ein zweimotoriger, zweisitziger allwetterfähiger Jagdbomber mit Schwenkflügeltechnik, der für den Tiefflug optimiert wurde. Der Gefechtsradius mit standardisierter Beladung und einem ebensolchen Flugprofil beträgt etwa 1.350 Kilometer.[ 3 ] Bei 14 Tonnen Leergewicht kann das Flugzeug auch mit einem Gesamtgewicht von mehr als 28 Tonnen noch abheben, also großen Mengen an Munition und Treibstoff mitführen. In größeren Höhen erreicht der Tornado mehr als doppelte Schallgeschwindigkeit, im Tiefflug oder in Meereshöhe ist er zwar deutlich langsamer, aber immer noch deutlich schneller als der Schall. Der Tornado verfügt über ein Geländefolgeradar, mit Hilfe dessen das Flugzug auch noch in 60 Meter Höhe per Autopilot fliegen kann. Im Tiefstflug, also bei Flügen in "Baumwipfelhöhe", rund 30 Metern oder weniger über dem Erdboden, muss der Pilot selbst zum Steuerknüppel greifen.[ 4 ]

Die Besatzung besteht aus einem Piloten und einem Waffensystemoffizier. Neben Luftabwehrraketen zum Selbstschutz gibt es eine Vielzahl von Bewaffnungsoptionen. Dazu gehören bei der Bundeswehr ungelenkte und gelenkte Bomben, lasergelenkte und GPS-unterstützte Präzisionswaffen, konventionelle Marschflugkörper großer Reichweite vom Typ Taurus, HARM-Raketen zur Bekämpfung von Flugabwehrstellungen am Boden, Kormoran-Raketen zur Bekämpfung von Schiffszielen und die 27mm-Bordkanonen.[ 5 ] Zudem kann das Flugzeug die nuklearen Bomben vom Typ B61-3 und B61-4 tragen, die den USA gehören und eine variable Sprengkraft von maximal 170 bzw. 50 Kilotonnen haben.


Die Tornados der Luftwaffe

In den Jahren 1981/82 – 1992 beschaffte die Bundeswehr insgesamt 357 Jagdbomber des Typs Panavia 200 „Tornado“. Die ersten 332 Flugzeuge waren Tornado IDS (Interdiction Strike), die für den konventionellen und nuklearen Angriff auf Bodenziele sowie für die Aufklärung (Recce) vorgesehen waren. Danach kamen 35 Flugzeuge vom Typ ECR (Electronic Combat Reconnaissance) zur Aufklärung und Bekämpfung der gegnerischen Luftabwehr hinzu. Der Bestand wurde im Verlauf der Nutzung auf zunächst 185 Flugzeuge abgesenkt und wird seit einigen Jahren weiter auf 85 Flugzeuge reduziert.[ 6 ] Dieser Prozess ist (fast) abgeschlossen.

Ursprünglich wurden mit dem Tornado zwei Marinefliegergeschwader und sechs Luftwaffengeschwader ausgerüstet. Drei der Luftwaffengeschwader (in Memmingen, Nörvenich und Büchel) hatten nach dem Kalten Krieg noch eine nukleare Aufgabe. Heute gehören alle Tornados zu zwei Geschwadern Luftwaffe und nur das Geschwader in Büchel ist weiter aktiv an der Nuklearen Teilhabe beteiligt.

Insgesamt 65 IDS-Versionen und 20 ECR-Tornados sollen auch künftig weiter in Dienst gehalten werden. All diese Flugzeuge werden sukzessive bis 2019 auf eine moderne Avionik des Standards ASSTA 3 umgerüstet. 25 Luftfahrzeuge sind beim Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ stationiert und bilden eine fliegende Staffel für die bemannte fliegende Aufklärung, die außerdem die Aufgaben Unterdrückung der gegnerischen Luftverteidigung (SEAD) und die Bekämpfung von Seezielen übernehmen soll. 14 Luftfahrzeuge sind zur Piloten-Ausbildung auf der Holloman AirForce Base in den USA untergebracht. Zur Zeit ist noch unklar, ob Deutschland diese Standort über das Jahr 2019 hinaus betreiben wird. Die restlichen 44 Tornados werden in zwei Staffeln beim Taktischen Luftwaffengeschwader 33 in Büchel eingesetzt, das derzeit die Aufgaben Luftnahunterstützung, Abriegelung aus der Luft und nukleare Teilhabe betraut.[ 7 ] So stand es bereits im „Realisierungsplan für die Einnahme der Luftwaffenstruktur“ aus dem Juni 2012. Dort hieß es darüber hinaus: „Das JaboG 33 am St[and]O[rt] Büchel wird zum 01.04.2013 umgegliedert und nimmt mit zwei Fliegenden Staffeln seinen Auftrag (Nukleare Teilhabe/ konventioneller Luftangriff) mit ungelenkter Bewaffnung, Präzisionsbewaffnung (GBU-24, GBU 54) und Abstandsbewaffnung (MAW TAURUS) wahr. Zum 01.10.2013 wird das JaboG 33 in Takt[isches] L[uft]w[affen]G[eschwader] 33 umbenannt.“[ 8 ] Da künftig auch die nicht nuklearfähigen Eurofighter der Tranchen 2 und 3a zur Bekämpfung von Bodenzielen befähigt sein werden, soll die Aufgabe der dortigen Tornados schrittweise auf den Einsatz schwerer Luft-Boden-Waffen konzentriert werden (GBU-24, Taurus, Nuklearwaffen).

In Büchel stehen für die deutschen Tornados nach Freigabe durch den US-Präsidenten auch US-Nuklearwaffen der Typen B61-3 und B61-4 zur Verfügung, die nach derzeitiger Planung ab 2020/22 durch eine neue, deutlich verbesserte Version, die B61-12, ersetzt werden sollen.[ 9 ]


Die Nutzungsdauer des Tornados

Da die NATO beschlossen hat, die Daueraufgabe Nukleare Teilhabe vorläufig beizubehalten, stellt sich die Frage, wie lange der Tornado noch in Dienst gehalten werden kann und soll. Die Antwort auf diese Frage stellt offenbar ein sehr „bewegliches Ziel“ dar.

2008 antwortete die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen: „Die Bundeswehr plant das Waffensystem TORNADO zumindest bis 2020 im Dienst zu behalten.“[ 10 ] Dass „zumindest bis“ auch „darüber hinaus“ heißen konnte, bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am 6. Oktober 2010: „Die Nutzung des Waffensystems Tornado ist über das Jahr 2020 hinaus vorgesehen. Der Zeitpunkt der endgültigen Außerdienststellung ist noch nicht festgelegt.“[ 11 ] Im Oktober 2011 begann dieses Spiel mit Worten und Jahreszahlen erneut: „Das Waffensystem Tornado wird bis voraussichtlich 2025 in den Einsatzrollen Luftangriff mit Schwerpunkt Luftnahunterstützung, luftgestützte bemannte Aufklärung, Niederhalten der gegnerischen bodengebundenen Luftverteidigung, Seekriegführung aus der Luft und als Trägerplattform für die Nukleare Teilhabe eingesetzt. (...) Derzeit gibt es keine Überlegungen, das Waffensystem Tornado über 2025 hinaus zu betreiben“, schrieb das Verteidigungsministerium.[ 12 ] Ein Jahr später erläuterte BMVg-Sprecher Christian Dienst am 3.9.2012 in der Regierungspressekonferenz: „Also es ist so, dass das Waffensystem Tornado, das auch - ich betone: auch - die Rolle hat, als nuklearwaffenfähiges Trägersystem zu fungieren (...) nach jetziger Planung über das Jahr 2025 hinaus in der Bundeswehr in Nutzung zu halten sein wird - egal mit wie vielen“ der ihm zugedachten Rollen.[ 13 ] Schließlich bestätigte auch die politische Führung des BMVg’s diese Planung. Der Parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt antwortete am 26.September 2012 auf Fragen des Abgeordneten Paul Schäfer: „Als Träger der nuklearen Teilhabe ist das Waffensystem Tornado in der Version Interdiction-Strike (IDS) geeignet. (...) Die Nutzung des Waffensystems Tornado ist in reduzierter Stückzahl über das Jahr 2025 hinaus geplant.“[ 14 ] Es fehlte nur die erneute Feststellung, der Zeitpunkt der endgültigen Außerdienststellung sei noch nicht festgelegt. Mittlerweile ist klar: Die Luftwaffe untersucht, was getan werden muss, damit der Tornado deutlich länger im Dienst gehalten werden kann. Voraussichtlich soll noch im Laufe des Jahres 2016 darüber entschieden werden, ob der Tornado bis „Mitte der dreißiger Jahre“ in Dienst gehalten werden kann.[ 15 ]

Die Restlebensdauer der noch vorhandenen Tornado-Flugzeuge ist beeinflussbar. Die Luftwaffe kann die Nutzungsdauer selbst steuern. Zelle und Triebwerk haben eine garantierte Mindestlebensdauer von 8.000 respektive 7.500 Flugstunden, die bei allen 85 Luftfahrzeugen, die im Dienst gehalten werden, bei weitem noch nicht erreicht ist. Erst 2011 überschritt der erste, 29 Jahre alte Tornado 5.000 Flugstunden. Eine Übersicht über die bisher abgeflogenen Flugstunden jener 85 Tornados, die die Bundeswehr weiter in Dienst halten will, zeigt, das viele dieser Maschinen 2013 erst 3.500-4.500 Stunden in der Luft waren und nur wenige mehr als 5.000 Stunden.[ 16 ]

Steuerungsmöglichkeiten bieten sich der Luftwaffe z.B. durch die Intensität der Nutzung der einzelnen Flugzeuge. Von 2012-2017 wollte die Luftwaffe ihre Tornado-Flotte pro Jahr insgesamt für rund 11.500 bis 13.310 Flugstunden einsetzen. Auf jedes Flugzeug entfielen damit durchschnittlich rein rechnerisch zwischen 135 und 157 Flugstunden pro Jahr. Bei einer so geringen jährlichen Nutzung kann das Jahr 2035 schnell in Reichweite kommen.[ 17 ]

Hinzu kommt, dass die Luftwaffe in den Jahren 2012-2015 noch mehr als 85 Tornados besaß und somit so manche der für diese Jahre geplanten Flugstunden auf Maschinen fliegen konnte, die ausgemustert werden sollten. Sie konnte also die für eine Umrüstung auf ASSTA 3 vorgesehenen 85 Maschinen theoretisch schonen und damit die Lebensdauer ihrer Flotte verlängern. Eine ähnlich Wirkung wird erzielt, wenn den Piloten z.B. aus Kostengründen weniger Flugstunden pro Jahr zugebilligt werden. Derzeit untersucht die Luftwaffe „durch eine Streckung vorhandener Flugstundenressourcen bzw. eine Nutzungsdauerverlängerung für das Waffensystem bis in die Mitte der dreißiger Jahre.“[ 18 ]

Selbst eine über 2035 oder 2040 hinausgehende Verlängerung der Nutzungsdauer für einen kleineren Teil der Tornados ist nicht ausgeschlossen. Hohe Kosten hätte dagegen zur Folge, wollte man alle 85 Flugzeuge auch dann noch weiter in Dienst halten. Eine Verlängerung der Lebensdauer von Zelle und Triebwerk würde teuer. Ein solches Vorhaben plant und untersucht die Bundeswehr derzeit jedoch nicht.


Die Tornado-Modernisierung

Derzeit werden die 85 Tornado-Flugzeuge, die die Bundeswehr in Dienst halten will, modernisiert. Das Programm „Avionic System Software for Tornado in Ada 3“ (ASSTA 3) sollte ursprünglich bis 2017 umgesetzt werden, dauert aber jetzt voraussichtlich bis 2018 oder 2019. Es dient u.a. einer Verbesserung der Kommunikationssysteme, der Kampfwerterhaltung der Störsysteme, der Verbesserung der Nachsichtfähigkeit und der Cockpit-Displays sowie der Integration der lasergesteuerten allwetterfähigen Bombe vom Typ GBU-54(V)3 (LJDAM) zur Bekämpfung beweglicher Ziele. Die ersten modernisierten Tornados bekam die Luftwaffe am 15.8.2012.[ 19 ]

Maßnahmen, die spezifisch der Integration der modernisierten Nuklearwaffe vom Typ B61-12 dienen, sind in diesem Programm nicht enthalten und derzeit auch von der Bundeswehr nicht geplant.[ 20 ] Ein weiteres Upgrade des Tornados mit der Bezeichnung ASSTA 3.1 ist bei der Industrie in Arbeit. Auch diese hat also den Nutzungszeitraum jenseits von 2025 bereits fest im Blick. Auch bei den Arbeiten der Industrie sind Maßnahmen zur Integration der B61-12 bislang – soweit bekannt – nicht enthalten.[ 21 ]

Allerdings laufen Arbeiten zu diesem Zweck bereits in den USA. Im 3.Quartal des Haushaltsjahres, also im 2.Quartal des Kalenderjahres 2015, sollte in den USA mit diesem Vorhaben begonnen werden. Während der Entwicklung der B61-12 muss diese Waffe an ihre künftigen Trägersystem-Typen individuell angepasst werden. Dafür muss z.B. eine passende Interface Control Unit – einem Verbindungsmodul zwischen Bombe und Flugzeug – bereitgestellt werden. Diese soll sicherstellen, dass ältere nicht vollständig digitalisierte Flugzeuge mit der neuen, vollständig digitalen Bombe kompatibel sind und eine korrekte Überspielung der Einsatzdaten für die Bombe aus dem Flugzeug in die Bombe erfolgen kann. Diese Anpassung ist Aufgabe der Nuklearmacht USA.


Der Standort Büchel

Um den Tornado langfristig in Büchel auf einer geeigneten Infrastruktur betreiben zu können, hat das Verteidigungsministerium für die kommenden Jahre Investitionen im Gesamtumfang von 120 Mio. € in diesen Standort beschlossen. Im Zentrum der geplanten Maßnahmen steht eine Grundsanierung der Start- und Landbahn. Zudem sollen Werkstattgebäude erneuert und in die Modernisierung von Unterkünften investiert werden. Die deutscherseits geplanten Maßnahmen haben mit der Stationierung der B61-12 noch nichts zu tun.

Allerdings haben die USA und die NATO in der Türkei und in Italien damit begonnen, die Flugzeugshelter, in die Unterflurmagazine für die Lagerung nuklearer Waffen eingebaut wurden, mit einer Sicherungsanlage innerhalb des Flugplatzgeländes auszustatten. Die entsprechenden Schutzbauten wurden z.B. eingezäunt und mit einer Beleuchtungsanlage umgeben.[ 22 ] Ob eine entsprechende Zusatzsicherung auch in Büchel geplant ist, ist noch unbekannt. Die vorgesehenen Etatmittel lassen darauf schließen, dass weitere Stützpunkte mit solchen Anlagen ausgestattet werden sollen.


Der Blick in die Zukunft

Im Kontext der Diskussion über eine Lebensdauerverlängerung für den Tornado hat die Luftwaffe 2016 erstmals offiziell einen Nachfolger für den Tornado ins Spiel gebracht. Dieser wird als Waffensystem der nächsten Generation (Next Generation Weapon System) bezeichnet und soll zur Verfügung stehen, wenn die Nutzungsdauer des Tornados in den 2030er Jahren endet. Es soll in multinationaler Kooperation entwickelt werden. Gespräche mit möglichen Partnern sollen noch 2016 beginnen.

Während in den Entwurfsfassungen für die militärische Luftfahrtstrategie des BMVg noch direkt davon die Rede war, dass der „Systemverbund Future Combat Air System“ (FCAS), bestehend u.a. aus dem Eurofighter und dem Tornado-Nachfolger die Aufgabe der deutschen Beteiligung an der Nuklearen Teilhabe in der NATO mit abdecken solle[ 23 ], wurde auf eine solch explizite Festlegung in der veröffentlichten Endfassung im Januar 2016 verzichtet. Nun heißt es allgemeiner und an anderer Stelle, die deutsche Luftwaffe müsse auch künftig „Beiträge gegenüber NATO und EU auf Basis politischer Vorgaben – wo immer möglich in multinationalen Kooperationen“ leisten.[ 24 ] Die nukleare Teilhabe kann als politische Vorgabe betrachtet werden.

Die Autoren der militärischen Luftfahrtstrategie überlassen es zudem der künftigen Diskussion, ob das neue Luftfahrzeug „bemannt, unbemannt oder optional bemannt“ sein werde. Mit diesen drei Optionen ging vor wenigen Jahren auch die US-Luftwaffe auf Werbetour für eines ihrer wichtigsten Zukunftsprojekte: Den nächsten nuklearfähigen Langstreckenbomber, bekannt unter dem Kürzel LRS-B (Long Range Strike Bomber). Dieser soll nach derzeitigem Planungsstand voraussichtlich zunächst optional bemannbar eingeführt werden und dann zu einem Luftfahrzeug weiterentwickelt werden, dass auch unbemannt Einsätze fliegen kann. Offen bleiben muss, ob dieser US-Ansatz für einen unterschallschnellen Langstreckenbomber realistischerweise nur wenige Jahre später durch die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie mit einem überschallschnellen, taktischen Kampfluftfahrzeug technisch getoppt werden könnte. In beiden Fällen geht es derzeit noch um Konzeptentwürfe und Ideen. Bis sie entschieden und realisiert werden, fließt noch viel Wasser Spree und Potomac hinunter.


 

ist freier Journalist und leitet das Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit - BITS


 

Fußnoten:

[ 1 ] BMVg: Priorisierung Materialinvestitionen – Handlungsempfehlungen, Berlin, 25.6.2010, Pkt W_3-G-2, online: http://www.geopowers.com/sites/default/files/PrioMat.pdf

[ 2 ] Dr. James Miller (PDUSDP / DoD) in Cable 09USNATO0378 vom 4.9.2009, online: http://wikileaks.org/cable/2009/09/09USNATO378.html

[ 3 ] Reichweiten von Flugzeugen können je nach Beladung, Flugprofil und Annahmen über die mitgeführte Treibstoffmenge sehr unterschiedlich sein und berechnet werden. Deshalb entstehen oft unterschiedliche Angaben.

[ 4 ] Für den Tornado wurde später ein zusätzlicher elektronischer Störsender (Cerberus bzw. Tornado Self Protection Jammer/TSPJ) entwickelt, dessen Betrieb zumindest zeitweilig das Geländefolgeradar störte und die Piloten zwang, jeweils nur eines der beiden Systeme zu betreiben.

[ 5 ] Die Mehrzweckwaffe-1 (MW-1), ein Submunitionsbehälter mit unterschiedlichen Wirkkörpern für verschiedene Aufgaben, der ursprünglich eine Hauptbewaffnung des Tornados darstellte, wurde außer Dienst gestellt, da die Submunitionen gegen das inzwischen in Kraft getretene Verbot von Streumunitionen verstoßen hätten. Die Flugkörper Kormoran und HARM haben praktisch das Ende ihrer geplanten technischen Lebensdauer erreicht.

[ 6 ] Bis Herbst 2006 waren 129 Luftfahrzeuge durch Unfälle und Abstürze (44) verloren gegangen oder ausgesondert worden (85). Vgl.: Deutscher Bundestag: Drucksache 16/3169, S.6. 2007, 2009 und 2014 stürzten insgesamt drei weitere Maschinen ab und es wurden weitere Flugzeuge außer Dienst gestellt, sodass die Luftwaffe im November 2015 noch 93 Maschinen zur Verfügung hatte, von denen 39 auf den ASSTA3-Standard umgerüstet waren. Vgl. Bundesministerium der Verteidigung: Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr, Berlin 30.11.2015, S.49

[ 7 ]
Diese Zahlen sind die Zahlen der nominell zugeordneten Luftfahrzeuge; durch Instandsetzungs- und industrielle Modernisierungsvorhaben liegt der reale Bestand für Einsätze verfügbarer Maschinen deutlich niedriger. Vgl. BMVg (2015) a.a.O.

[ 8 ] Bundesministerium der Verteidigung: Realisierungsplan für die Einnahme der Luftwaffenstruktur, Teilplan 03,  Berlin, 12.Juni 2012, S.2. Die Flugkörper Kormoran (Seezielbekämpfung) und HARM (Bekämpfung bodengestützter Luftverteidigung) erreichen in naher Zukunft das Ende ihrer geplanten technischen Lebensdauer und müssen ausgesondert werden. Ersatz ist derzeit nicht eingeplant.

[ 9 ] Eigentlich sollte das Jagdbombergeschwader 33 in Büchel ab 2012 von nuklearfähigen Tornado-Flugzeugen auf nicht- nuklearfähige Eurofighter-Flugzeuge umgerüstet werden. Diese Planung wurde im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr im Herbst 2011 aufgegeben. Vgl. Bundesministerium der Verteidigung: Realisierungsplan für die Einnahme der Luftwaffenstruktur, Teilplan 03, Berlin, 12.Juni 2012, S.2. Zu den Modernisierungsplänen für die B61-Bomben vgl. Nassauer, Otfried & Piper, Gerhard: Atomwaffenmodernisierung in Europa – Das Projekt B61-12, Berlin, September 2012, online: http://www.bits.de/public/pdf/rr-12-1.pdf Die NNSA geht von einer Bereitstellung der First Production Unit 2019 und der Serienproduktion ab 2020 aus, das Pentagon von einer Bereitstellung der FPU im FY 2022 und der Serienwaffen ab 2023.

[ 10 ] Deutscher Bundestag, Drucksache 16/9834 vom 26.6.2008, S.36, online: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/098/1609834.pdf

[ 11 ] Bundesministerium der Verteidigung - Presse- und Informationsstab: Sprechererklärung zur Nutzungsdauer der Tornado-Jagdbomber, Berlin, 6.10.2010

[ 12 ] BMVg: Bericht des Bundesministeriums der Verteidigung zur Zukunft des Waffensystems Tornado, Berlin, 12.10.2011

[ 13 ] Ausschrift der Regierungspressekonferenz vom 3.9.2012

[ 14 ] Deutscher Bundestag, Drucksache 17/10875, S.46

[ 15 ] Bundesministerium der Verteidigung: Militärische Luftfahrtstrategie 2016, Berlin, 19.1.2016, S.26

[ 16 ] Deutscher Bundestag: Drucksache 17/13820, Berlin, 5.6.2013, S.28f. Einige Maschinen waren auch deutlich weniger als 3.500 Stunden eingesetzt worden.

[ 17 ] Die Nutzungsdauer des Tornados war ursprünglich auf 4.000 Flugstunden (Zelle) und 3.000 Flugstunden (Triebwerk) ausgelegt. Die Nutzungsdauer für die Zelle wurde später auf 8.000 Flugstunden und für das Triebwerk auf 7.500 Stunden verlängert. Vgl. Europäische Sicherheit 4-2010, online: http://www.europaeische-sicherheit.de/Ausgaben/2010/2010_07/04_Gei%DF_Berndt/2010,07,04.html Zu dem Tornado mit 5.000 Flugstunden vgl.: Flugrevue 8.8.2011, online: http://www.flugrevue.de/de/luftwaffe/streitkraefte/erster-tornado-der-luftwaffe-erreicht-5000-flugstunden.60484.htm.

[ 18 ] Bundesministerium der Verteidigung: Militärische Luftfahrtstrategie 2016, Berlin, 19.1.2016, S.26

[ 19 ] Rachow, Volker: Luftwaffe – Tornado MLU, Air International, Dezember 2011, S. 74f

[ 20 ] Deutscher Bundestag: Drucksache 17/10875, S.47 „Es sind derzeit für die Luftfahrzeuge Tornado IDS keine speziell mit der nuklearen Teilhabe zu begründenden Modernisierungen geplant.“

[ 21 ] Da die technischen Parameter der B61-12 bislang nicht endgültig festgeschrieben wurden, kann auch noch nicht beurteilt werden, ob Anpassungen am Trägersystem erforderlich werden.

[ 22 ] Vgl.: http://www.bits.de/public/unv_a/orginal-220915.htm und: http://fas.org/blogs/security/2015/09/nuclear-insecurity/

[ 23 ] Vgl.: http://augengeradeaus.net/2016/01/lesestoff-deutschlands-neue-militaerische-luftfahrtstrategie/

[ 24 ] BMVg: Militärische Luftfahrtstrategie 2016, Berlin 19.1.2016, S.15. Die Interpreten der militärischen Luftfahrtstrategie gehen übereinstimmend davon aus, dass ein Nachfolger des Tornados die Aufgabe als Träger der Nuklearen Teilhabe übernehmen würde. Der Text selbst sagt das nicht. Im Entwurf ist das Subjekt des entsprechenden Satzes der Systemverbund FCAS, zu dem auch der dann zum Luft-Boden-Einsatz befähigte Eurofighter gehört, der zumindest theoretisch auch zum Nukleareinsatz befähigt werden könnte. Diese Option nicht auszuschließen könnte sowohl im Interesse der Luftwaffe als auch im Interesse der Industrie liegen: Bis 2035 dürfte der Eurofighter zu einem relativ verlässlichen Kampfflugzeug herangereift sein, während der Tornado-Nachfolger mit hoher Wahrscheinlichkeit bei seiner Einführung noch lange mit Kinderkrankheiten kämpfen wird. Zum anderen könnte auch die Industrie ein Interesse daran haben, gegenüber den USA nicht ihr modernstes Produkt in allen technologischen Einzelheiten für die nukleare Zertifizierung offenlegen zu müssen.