Böse Schurken - gute Schurken
Geschrieben am 31.03.2003 um 21.45 Uhr / von Otfried Nassauer


Im Kreis der alternden Heißsporne Washingtons ist Colin Powell ein fast schon bedächtiger, weiser Jüngling. Was aber reitet den amerikanischen Außenminister, dem Iran und Syrien mit ernsten Konsequenzen zu drohen, wenn sie die Unterstützung palästinensischer "Terrorgruppen" nicht einstellen? Will Powell neben dem Irak auch diesen beiden Staaten mit einer militärischen Intervention drohen?

Kein Zweifel: In Washington gibt es Regierungsmitglieder, die liebend gerne auch Syrien und den Iran mit Krieg überziehen würden. Für sie ist die Intervention gegen Bagdad nur das Einfallstor für eine grundsätzlichere Veränderung in der arabisch-islamischen Welt. Syrien, der Iran, Saudi-Arabien - das alles sind weitere Kandidaten für einen durch Washington zu erzwingenden Machtwechsel. Zugleich sind es einflussreiche Akteure der Gegenseite, wenn es darum geht, eine für Israel möglichst vorteilhafte Nachkriegsordnung im Nahen Osten vorzubereiten. Dass, sollte es in diesen Staaten zu Regierungswechseln kommen, die neuen Herrscher kaum Demokraten westlicher Prägung sein dürften, stört Washington genausowenig wie in Moldowa. Dort wird eine autoritäre postkommunistisch-kommunistische, aber pro-amerikanische Regierung ebenfalls mit Unterstützung der USA an der Macht gehalten.

Powells Drohung verweist nichtsdestoweniger auf ein amerikanisches Dilemma. Die bedingungslose Gegnerschaft und die militärische Interventionsdrohung Washingtons gegen all jene, die den Terror unterstützen oder an der Beschaffung von Massenvernichtungswaffen werkeln, bringt Washington in die Bredouille. Soll es viele Kriege führen oder im Umgang mit diesen Staaten viele Standards praktizieren? Schon die Politik der Regierung Bush gegenüber dem Irak einerseits und Nord-Korea andererseits offenbarte das Dilemma. Werden unterschiedliche Standards praktiziert, so muss auch sehr schnell zwischen den unterschiedlichen Schurken differenziert werden: "Böse Schurken" werden mit dem Schwert konfrontiert, "tolerable Schurken" werden eingedämmt und bei den "akzeptablen Schurken" schaut das republikanische Washington geflissentlich in die andere Richtung.

Colin Powell ist vielleicht aufgegangen, dass auf dieser Logik keine glaubwürdige, wertebasierte neue Weltordnung aufgebaut werden kann. Aber geht das mit der Drohung vieler Kriege? Oder meinte der amerikanische Außenminister eher die Falken in den eigenen Reihen, als er diese Drohung äußerte?

 

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