Mit Präzision zu unschönen Bildern
Geschrieben am 30.03.2003 um 20.44 Uhr / von Otfried Nassauer


Mehr als 6000 Präzisionswaffen haben Washington und seine Verbündeten nach eigenen Angaben bereits gegen den Irak eingesetzt. Und doch: Wieder hat es die unvermeidlichen Fehlschüsse und zivile Opfer gegeben. Unvermeidlich sind auch die schrecklichen Bilder, die daran erinnern, dass es den chirurgischen Schlag, den klinisch sauberen Krieg einfach nicht geben kann. Die Schweiz hat angekündigt, in ihrer Funktion als Depositarmacht der Genfer Konvention statistische Angaben über die Opferzahlen im Internet zu veröffentlichen.

Doch Erfahrungen aus den Waffengängen der vergangenen Jahre lassen erwarten, dass es in nicht allzu ferner Zukunft noch schlimmer kommen könnte. Bei etlichen Interventionen Washingtons wurden in den vergangenen Jahren nach einer Weile Präzisionswaffen bestimmter Typen Mangelware. Auch wenn die Produktion auf vollen Touren läuft, auch wenn die Kapazitäten in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet wurden – auch in diesem Krieg könnte die Präzisionsmunition knapp werden, der Rückgriff auf klassische Bomben und Streuwaffen erfolgen.

Schon erzählen US-Soldaten von der Front, sie hätten den Auftrag, sich für mehr als eine Woche oder sogar für mehrere Wochen einzugraben. Das spricht nicht nur für die Erwartung eines längeren Krieges, es sprich auch dafür, dass der Luftwaffe verstärkt die Aufgabe zukommen wird, den Druck auf das Militär der irakischen Diktatur und das Momentum des Krieges aufrechterhalten zu müssen. Das impliziert einen höheren Munitionsverbrauch, und damit, dass zumindest bestimmte Präzisionswaffen zur Neige gehen könnten.

Was aber dann? Vermehrt Bilder des brutalen Kampfes um Basra, eine Millionenstadt? Vermehrt Bilder über die Auswirkungen der mangelnden Versorgung – z.B. mit Wasser – der Zivilbevölkerung in Basra? Vermehrt Bilder von Bombardements mit klassischen, ungelenkten Waffen? Die Gefahr, dass nicht nur die Dominanz und Kontrolle über den militärischen Kampf, sondern auch jene im Kampf mit Bilder um die Köpfe und Gefühle der Menschen verloren gehen könnte, wächst für die Allianz. In den USA zeigen die großen Medien bestimmte Bilder nicht; in Großbritannien wirft die Regierung der BBC eine pro-irakische Berichterstattung vor. Das sind zumindest Anzeichen erster Nervosität. Dieser Krieg läuft gar nicht nach dem Geschmack seiner Planer.

 

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