Atommüllentsorgung im Irak
Geschrieben am 27.03.2003 um 23.15 Uhr / von Otfried Nassauer


Nur damit es nicht in Vergessenheit gerät: Immer dann, wenn US Panzer vom Typ M1 Abrams schießen, wenn A-10-Kampfflugzeuge aus ihrer Bordkanone feuern, wenn Tomahawk-Marschflugkörper einschlagen - immer dann wird auch Atommüll entsorgt. Panzerbrechende Granaten und Geschosse sowie Trimmgewichte amerikanischer Marschflugkörper werden aus abgereichertem Uran, Depleted Uranium (DU), hergestellt. Abgereichertes Uran entsteht in großen Mengen bei der Urananreicherung und ist beim Militär beliebt, weil es ein hohes spezifisches Gewicht besitzt, bzw. Munitionen aus diesem Material eine besonders hohe Durchschlagskraft besitzen.

Aber halt: Haben die USA diese Munitionen nicht bereits im zweiten Golfkrieg eingesetzt? Mehrere hundert Tonnen abgereichertes Uran wurden damals "entsorgt". Gab es nicht eine ausführliche Debatte, ob die Verwendung von Uranmunition die Ursache des Golfkriegssyndroms´sein könne, jener rätselhaften Krankheit mit den vielen unterschiedlichen Symptomen, die Zigtausende von Soldaten der USA, Großbritanniens und anderer Länder später befiel? Hat sich nicht nach dem Kosovo-Krieg - wieder wurden solche Munitionen eingesetzt - herausgestellt, dass ganze Chargen der Uranmunition mit winzigen Mengen hochgiftigen Plutoniums verunreinigt waren? Gab es nicht eine Debatte, diese Munitionsarten zu ächten bzw. ihren Einsatz solange auszusetzen, bis endgültig geklärt sei, welche Risiken mit diesen Munitionen verbunden seien?

Richtig, all das gab es. Aber so heiß wie die verschiedenen Theorien diskutiert wurden, so (vor)schnell wurde die Debatte auch wieder beerdigt. Die radiologische und die toxische Wirkung des DU und seiner Rückstände kann nicht die Ursache der aufgetretenen Leukämieerkrankungen und der Vielzahl der Symptome des Golfkriegssyndroms sein. Darin sind sich die Experten weitgehend einig. Bis heute wird deshalb weiter gestritten, welche Ursache die Krankheiten der Golfkriegsveteranen haben, warum so viele von ihnen an Krebs erkrankten. Je länger dies unklar ist, desto länger braucht niemand Entschädigungen zu zahlen oder Versorgungsleistungen zu erbringen.

Vielleicht deshalb ist eine der Folgen des Einsatzes von DU-Munition bis heute unerforscht. Wird ein gepanzertes Ziel von dieser Munition getroffen, so entstehen hohe Temperaturen, in denen das Innere des getroffenen Panzerfahrzeugs verdampft. Da die Temperaturen aber geringer sind, als in einer Giftmüllverbrennungsanlage, entsteht ein hochgiftiger Aerosol-Cocktail mit Rückständen der DU-Munition, des Panzerinneren oder auch der explodierenden Munition, die im Zielfahrzeug gelagert war. Dieser wird unter hohem Druck ausgeblasen und durch den Wind weitergetragen. Freigesetzt werden auf diesem Wege nicht nur Uranoxide als Überbleibsel des DU, sondern auch hochgiftige und krebserregende Stoffe wie Dioxine, Furane, PCB oder das gefährliche Radium 226, das in manchen Fahrzeugen der Zifferblattbeleuchtung dient.

 

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