Kaum noch eine Notiz wert?
Geschrieben am 13.04.2003 um 21.38 Uhr / von Otfried Nassauer


Bagdad hat 32 Krankenhäuser. Davon arbeiten nur noch drei - teilweise. So heute das Internationale Rote Kreuz. Plünderer bereiten den US-Soldaten weiterhin größte Schwierigkeiten. Bewaffnete Bürgerwehren als Selbstschutz tauchen auf. Eine erste Demonstration gegen die US-Soldaten als Besatzer soll stattgefunden haben. Und immer wieder Überfälle und Selbstmordattacken. In Nadschaf bekämpfen sich verschiedene schiitische Fraktionen. In Tikrit stoßen die US-Truppen doch noch auf erheblich mehr Widerstand als erwartet. Meldungen, die überdeutlich zeigen, dass der Irak keineswegs schnell zu Ruhe kommt.

In Deutschland ein ganz anderes Bild. Bei den Friedensdemonstrationen des Wochenendes haben deutlich weniger Menschen teilgenommen als erwartet. Die Berichterstattung fast aller Medien über den Irak-Krieg wird reduziert, zurückgefahren.

Ich gebe zu: Mich wundert das. Der Krieg im Irak ist weder zu Ende, noch ist absehbar, wann er wirklich endet. Wahrscheinlich ist, dass er noch sehr viele Menschen das Leben kosten wird: Zivilisten, Soldaten, Journalisten und Wiederaufbauhelfer, vielleicht - auf Seiten der westlichen Truppen - sogar mehr als bislang gestorben sind.

Es ist keineswegs ausgemacht, dass der Irak - wie für den Idealfall vielleicht erhofft - zu einer zweiten Türkei wird. Es könnte auch schlimmer kommen, so wie im Libanon oder wie in Afghanistan. Die labile Situation in Afghanistan ist medial heute nur noch bedingt präsent. Wird es mit dem Irak genauso gehen? Zunächst wird auf die regelmäßige Sonderberichterstattung verzichtet und dann verschwindet das Thema schrittweise von den Titelseiten und schließlich aus den Schlagzeilen? Verdient ein Krieg ohne die großen Schlachten weniger Aufmerksamkeit?

Vielleicht bedarf es noch einmal des Nachdenkens. Solange die schnelle Zerstörung durch einen großen Krieg - der Showdown der Großwaffensysteme - stärker in unsere Aufmerksamkeit vordringt als das langsame Sterben der vielen Einzelnen in Scharmützeln und kleinen Kriegen und noch viel schwächer, als die Mühen des Wiederaufbaus oder gar der kriegspräventiven Maßnahmen, solange sind wir noch weit davon entfernt, auf eine effiziente nichtmilitärische Krisenprävention und die gebotene politische Unterstützung dafür hoffen zu können.

 

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